BerlinDer Mordprozess um das vermisste Mädchen Georgine Krüger am Landgericht Berlin wird offenbar noch nicht so schnell zu Ende gehen. Zwar ist das Verfahren nur noch bis zum 22. Januar terminiert. Doch ist an diesem Tag noch kein Urteil zu erwarten. Eile ist nicht geboten. Obwohl der Vorsitzende Richter der Schwurgerichtskammer Ende des Monats in den Ruhestand geht. Für diesen Fall steht eine Ersatzrichterin bereit, um das Verfahren, sollte es sich in die Länge ziehen, mitzugestalten.

Am Mittwoch wurden zunächst weitere der vor kurzem gestellten Beweisanträge der Verteidiger des angeklagten 44-jährigen Ali K. beschieden. So trat eine Expertin für Leichenspürhunde der Berliner Polizei als Zeugin auf, ebenso wie der Mann, der sich nach der Verhaftung von Ali K. in der Untersuchungshaftanstalt Moabit eine Zelle mit dem Angeklagten teilte. Doch dürften beide Anträge nicht wie erwünscht zur Entlastung des wegen Mordes und sexuellen Missbrauchs der 14-jährigen Georgine angeklagten Mannes beigetragen haben.

Beweisanträge entlasten Angeklagten nicht

Die Hundeführerin der Polizei konnte zwar angeben, wie Leichenspürhunde arbeiten. Doch waren sie und ihr Hund an der Suche nach Georgines Leiche nicht beteiligt. Das Mädchen verschwand am 25. September 2006 auf dem Heimweg von der Schule. Offenbar auf einer Distanz von nur 200 Metern, die die Jugendliche von einer Bushaltestelle bis zur ihrer Wohnung in der Stendaler Straße in Moabit zurücklegen musste. Ermittler gehen davon aus, dass der wegen sexueller Nötigung vorbestrafte Angeklagte und Nachbar von Georgines Familie das Mädchen abgefangen, es in seinen Keller gelockt, niedergeschlagen, missbraucht und erwürgt hat. Ali K. soll die Tat einem verdeckten Ermittler gestanden haben, der auf den Vater dreier Kinder angesetzt worden war.

Auch der Zellennachbar war kein Entlastungszeuge. Er konnte sich nicht erinnern, dass Ali K. ihm gegenüber die Tat abgestritten und erklärt haben soll, von der Polizei hereingelegt worden zu sein. Ali K. rückte 2016 nach nochmaliger Auswertung von Handydaten in den Fokus der Ermittlungen. Wenig später wurden drei verdeckte Ermittler auf den Mann angesetzt mit dem Ziel, Ali K. ein Geständnis zu entlocken.

Richter ließen Vorwurf gegen Ali k. fallen

Im Oktober 2018 war es soweit: Ali K. gab laut Anklage zu, Georgine vergewaltigt und getötet zu haben. Die Leiche will er wenige Tage später in einen Teppich gerollt im Hausmüll entsorgt haben. Die Verteidiger sprechen davon, dass das Geständnis ihres Mandanten Ergebnis einer „Selbstbelastungsprovokation“ der Polizei geworden sein.

Ali K. steht seit Juli vorigen Jahres vor Gericht. Die Richter ließen erst vor kurzem den Vorwurf gegen ihn vorläufig fallen, kinderpornografische Schriften besessen zu haben. Dies falle aufgrund der zu erwartenden Strafe nicht ins Gewicht, hieß es.