Jürgen von der Lippe, Preisträger in der Sparte „Bestes Sachhörbuch“.
Foto: Christian Schulz

BerlinZu dieser Preisverleihung nahmen alle Beteiligten zweimal Anlauf. Eigentlich sollte es den Deutschen Hörbuchpreis 2020 nämlich schon am 10. März im Rahmen des Festivals lit.Cologne im WDR-Funkhaus in Köln geben. Corona sorgte für eine Absage der großen Gala. Am Mittwochnachmittag war nun in die Berliner Bar Lebensstern im Obergeschoss vom Einstein Stammhaus zu einer abgespeckten Variante geladen. Nur Gastgeber, Juroren und Preisträger durften kommen. In diesen Zeiten, in denen niemand die Risiken einer größeren Veranstaltung auf sich nehmen mag, war das wohl die einzige Möglichkeit, eine arg profane Postzustellung der Preise zu verhindern (die Dotierungen von je 3333 Euro pro Preis wären aber in jedem Fall überwiesen und nicht bar überreicht worden).

In der Kategorie „Bestes Sachhörbuch“ durfte sich der Komiker und Moderator Jürgen von der Lippe über den Deutschen Hörbuchpreis freuen. Die Jury fand die von ihm eingelesene Produktion „Eine kurze Geschichte der Trunkenheit. Der Homo alcoholicus von der Steinzeit bis heute“ (Verlag Schall & Wahn) preiswürdig. Wobei die Juroren feststellten, dass diese „kurze Geschichte“ in Wahrheit „eine recht lange ist.“ Immerhin dauert das Hörbuch sechs Stunden und 18 Minuten. Für Jürgen von der Lippe waren das anderthalb Tage Arbeit. Bei denen er Stullen dabei hatte: „Eine komische Macke, es geht aber nicht ohne. Im Studio knurrt sonst alle zwei Stunden mein Magen, was man hören würde.“ Der Herr Künstler liest Hörbücher nur ein, er hört sie sich nicht an: „Ich lese ja lieber.“ Wobei immer ein Stift bereitliegt, denn er streicht Stellen, die ihm gefallen, oder bei denen er vermutet, dass er sie noch mal verwenden kann, gern an. Und das wäre bei einem Hörbuch schwierig …

Die Jury lobte Jürgen von der Lippe besonders dafür, dass er seinen Job „unterhaltsam, aber ohne wohlfeilen Klamauk“ erledigt hat. Ihm wird bescheinigt, dass er „seine Hörerinnen und Hörer mit durch die Jahrtausende, aber eben nicht aufs Korn“ nehme. Und das alles mit dem gebotenen Ernst. Bei dem Thema des Hörbuchs hätte er auch richtig aufdrehen und seinem Affen Zucker geben können, stattdessen gelang Jürgen von der Lippe laut Jury ein „preiswürdiges Kunststück.“

Als „Beste Interpretin“ durfte sich die Schauspielerin Camilla Renschke über den Preis für ihre Lesung des Romans „Gilgi – eine von uns“ freuen. Für die von der Jury „meisterhaft“ genannte Interpretation des Romans „Serotonin“ von Michel Houellebecq erhielt Schauspieler Christian Berkel den Deutschen Hörbuchpreis in der Kategorie „Bester Interpret“. Die Jury erkannte eine „beiläufige Eleganz“, mit der Berkel die „intellektuelle Dimension“ und die „ergreifende Melancholie“ des Textes zum Klingen bringe. Eine künstlerische Interpretation, die dem Hörer entscheidende Zwischentöne liefert. Für die Leser der Buchversion von „Serotonin“ hat Berkel einen Tipp: „Man muss die ersten 100 Seiten durchhalten!“

Weitere Preisträger: Matthias Matschke für sein Hörbuch „Achtsam morden“ („Beste Unterhaltung“), Sascha Maria Icks für „Agatha Merkwürdens Racheblumen“ („Bestes Kinderhörbuch“), „Leonora – Mit 15 zum IS“ von NDR Info („Bester Podcast“). Der Sonderpreis des Deutschen Hörbuchpreises ging an Axel Milberg.