Bus 255. Ich lese Gedichte der polnischen Autorin Marzanna Kielar. Der raue Pappeinband liegt stabil und tröstlich in der Hand und die Verse tun das ihre, um die rasante Fahrweise des Busfahrers etwas abzumildern. Dennoch rappelt das Gefährt beachtlich. Die Poesie ficht das nicht an. Sie stammt aus einer anderen Zeit. Aus einer Zeit, als die Steine noch aufeinanderlagen. Aus einer Welt, die keine Zeiten braucht. Eine der wenigen Konstanten ist die Lektüre von Lyrik im Bus. Der Mann mit der Wollmütze auf dem Platz schräg hinter mir regt sich und hält ein Smartphone hoch. Ich kann es nicht sehen, aber spüren. Die Augen am Hinterkopf sehen manchmal besser als die vorderen. Ein leises „Plück“ verrät kurz darauf, dass er ein Foto gemacht hat.

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