Berlin - Eine bessere Werbung für die umweltfreundliche Bahn ist nicht denkbar. Wer vom BER starten will, wird aktuell mit dem Hinweis konfrontiert, mindestens drei Stunden vorher am Flughafen zu sein. Da sind Passagiere nach Frankfurt oder München mit der Bahn meist schneller am Ziel als Fluggäste, die viel Zeit in Warteschlangen verbringen müssen. Kein Wunder, dass sich Gegner des Klimawandels über das BER-Chaos freuen.

Trotzdem darf es die Berliner und Brandenburger nicht kaltlassen. Denn hier blamiert sich erneut eine Region, die schon beim Bau des BER eine Negativschlagzeile nach der anderen kassiert hat.

Unter den jetzigen Bedingungen lassen sich die Lücken nicht füllen

Dass vermeintlich billige Lösungen am Ende viel kosten, erlebten die Verantwortlichen bereits vor vielen Jahren, als sie das Flughafenprojekt nicht einem Generalunternehmer übertrugen, sondern selbst steuern wollten – was bekanntermaßen schiefging. Eine solche Billigattitüde fällt nun auch ihren Nachfolgern auf die Füße. Weiterhin wird die Abfertigung von Passagieren, Gepäck und Flugzeugen von den Airlines ausgeschrieben, was zu einer ständigen Unruhe und einem enormen Kostendruck bei den Bodenverkehrsdiensten führt. Als dann noch wegen der Corona-Flaute Kurzarbeit angeordnet wurde und die ohnehin schon niedrigen Einkünfte der Mitarbeiter weiter zurückgingen, wechselten viele entnervt in andere Branchen. Unter den jetzigen Bedingungen werden sich die Lücken nicht mehr füllen lassen.

Forderungen aus der Politik, die Abfertigung zu rekommunalisieren, hat die Flughafengesellschaft FBB bisher nicht erfüllt. Denn auch sie steht unter einem großen Finanzdruck, was ebenfalls Kurzarbeit bedeutet. Einnahmen fehlen, die Gesellschafter tun sich mit der Entschuldung schwer.

Die Probleme am BER sind ärgerlich. Noch ärgerlicher ist, dass sie zu erwarten waren. Die peinliche Malaise am Flughafen ist hausgemacht.