Richtig erkennen kann man die Gefühle der Maskenträger nicht.
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Weil es vor der nächsten Fahrt dringend einer neuen Fahrradkette bedarf, ist es nun soweit: der erste Einstieg in die Öffis seit Anfang März. Die Maskenpflicht ist schon in Kraft, im U-Bahnwaggon sitzt ein Mann in der Kleidung eines Sicherheitsdienstes, seine Maske trägt er zwar über dem Mund, aber unterhalb der Nase. Zwei Männer weiter hinten tragen gar keine, genau wie eine junge Frau und ein weiterer Mann.

Wobei man die Menschen ohne Maske fair bewerten muss: Die U-Bahn, wie später auch der Bus und die Tram, ist so leer, dass sich jede Abstandsregel locker übertrumpfen lässt. Genau genommen ist Öffis-fahren selten so angenehm gewesen. Jedenfalls außerhalb der Stoßzeiten. In denen soll es selbst in der momentanen Lage volle Busse und Waggons geben. Auch wenn es sich anders anfühlt: Tatsächlich hat nur eine Minderheit der arbeitenden Bevölkerung die Möglichkeiten zum Homeoffice. Für das Maskentragen und Abstandhalten lobt die Politik die Bevölkerung derweil, wo sie nur kann.

Im Supermarkt ist das Verhältnis von Mit- zu Ohne-Maske etwa hälftig verteilt. Als eine Frau mit Maske und Einkaufswagen um die Ecke eines Regals in einen Gang einbiegt, und ich ihr mit einer Geste den Vortritt lasse, bedankt sie sich. Ich gehe weiter und merke erst jetzt, dass sie mein Lächeln nicht sehen konnte, weil die Maske es verborgen hat. Geht die Pandemie noch länger, müssen wir uns für die nonverbale Kommunikation dringend etwas überlegen.

Dieses Bewusstsein lässt sich aber sogleich beim nächsten Stopp im Fahrradladen anwenden. Nach kurzer Beratung bedanke ich mich beim Verkäufer. Auf die Gefahr hin, dass er den Ursprung nicht erkennt, ergänze ich die unsichtbare nonverbale Kommunikation: „Ich lächele übrigens gerade.“