Berlin - Der Fall der am Mittwoch getöteten Schülerin Keira G. aus Alt-Hohenschönhausen steht vor der Aufklärung: Am Sonntag nahmen Fahnder der Mordkommission den mutmaßlichen Täter in den Vormittagsstunden fest. Es soll sich um einen 15-jährigen Schulkameraden deutscher Nationalität handeln. Wie die Polizei am frühen Abend mitteilte, hat er die Tat gestanden. Am Sonntagnachmittag kamen Hunderte Menschen zusammen, um Keira G. zu gedenken.

Bei der Trauerveranstaltung an der Eissporthalle des Vereins Berliner TSC auf dem Gelände des Sportforums – dort hatte Keira Eisschnelllauf trainiert – spielten sich ergreifende Szenen ab. Freunde, Bekannte und Schulkameraden des Mädchens standen am ersten Frühlingstag des Jahres in der warmen Sonne, während ihnen Tränen über das Gesicht liefen. Immer wieder war lautes Schluchzen und leises Weinen zu hören, die Menschen stützten sich gegenseitig. Hunderte Blumen wurden niedergelegt, ebenso viele Kerzen angezündet.

Ein Ende der Gerüchteküche

Vom Geständnis wusste man zu dieser Zeit noch nichts. Allerdings machte schon bald die Nachricht die Runde, dass der mutmaßliche Täter festgenommen worden sei. Daraufhin entlud sich die Anspannung der letzten Tage in trauriger Erleichterung. Auch wenn es Keira „nicht zurückbringen“ werde, sagte eine Frau mittleren Alters, so könne die Mutter des Mädchens nun wenigstens „auf Gerechtigkeit hoffen“. Zudem sei die „unsägliche Gerüchteküche“ über Identität und Herkunft des Täters nun hoffentlich vorbei.

Engere Bekannte des getöteten Mädchens mutmaßten während der Zusammenkunft über den Täter. So sagte ein Freund von Keira, sie habe am Mittwoch gegen 17 Uhr noch über den Nachrichtendienst WhatsApp mit ihm und seiner Freundin kommuniziert. Zu diesem Zeitpunkt sei sie in Begleitung eines männlichen Jugendlichen gewesen. Was danach geschah, ist nach wie vor unklar.

Keira starb vor Ort an ihren Verletzungen

Allerdings muss es schnell zum Streit zwischen Keira und ihrem Mörder gekommen sein. Denn als die Mutter des Mädchens gegen 17.30 Uhr nach Hause kam, fand sie ihre blutüberströmte Tochter im Kinderzimmer. Die Gerichtsmediziner zählten später mehr als 20 Messerstiche im Körper des jungen Mädchens. Die kurz darauf eintreffenden Retter versuchten mehr als 90 Minuten lang, Keira zu reanimieren. Doch sie verloren den Kampf um das Leben der Jugendlichen. Keira starb noch vor Ort an ihren schweren Verletzungen.

Die Mordermittler sind sich sicher, dass sie den Richtigen haben. Der Verdächtige gestand die Bluttat am späten Sonntagnachmittag. Das späte Geständnis dürfte der Grund dafür sein, dass die Polizei zwar die Festnahme eines Tatverdächtigen in den Vormittagsstunden am Sonntag mitteilte, aber den ganzen Tag über keine Informationen gab.

Nur spärliche Informationen 

Aus Ermittlerkreisen sickerte in den vergangenen Tagen sehr wenig über den Fall durch. Rasch wurde jedoch bekannt, dass Keira ihren späteren Mörder seit längerer Zeit gekannt haben soll. Er soll bei seinen Eltern in der Nähe des Mädchens in Alt-Hohenschönhausen wohnen. Dort erfolgte am Sonntag auch die Festnahme.

Dass sich die Polizei mit Details zu dem Verbrechen und dem Stand der Ermittlungen so lange stark zurückhielt, hatte vielfach für Unverständnis gesorgt. Begründet wurde die Informationspolitik damit, man wolle die Ermittlungen nicht gefährden. In der Folge kamen Gerüchte auf, es handele sich bei dem Täter um einen Asylbewerber aus Afghanistan.

Haftbefehl wird beantragt

Die Ermittler appellierten daraufhin über ihren Twitterkanal, weitere Ermittlungsergebnisse abzuwarten: „Unsere Mordkommission hat aktuell keinen konkreten Tatverdacht. Bitte beteiligen Sie sich nicht an kursierenden Spekulationen. Wir informieren, wenn es Neuigkeiten gibt!“

Dennoch gab es keine weiteren Informationen – bis zur Festnahme am Sonntagvormittag. Man habe den jetzt Festgenommenen zwar schon am Sonnabend im Visier gehabt, hieß es gestern. Allerdings habe man den Verdächtigen „nicht aufschrecken“ und so einen möglichen Festnahmeerfolg gefährden wollen. Im Laufe des Montags soll Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Täter beantragt werden.