Berlin - Nein, auf noch so eine Show nach altbekanntem Schema hatten Patricia Kelly und ihre Geschwister Paddy, Kathy und Paul keine Lust: „Von diesen Shows mit Kitsch und Weihnachtsmann gibt es ja schon so viele. Wir wollen bei unserem Programm

'Stille Nacht‘ mit dem Publikum ein richtiges Weihnachtsfest begehen, wo die Geburt Jesu gefeiert wird.“ Diese Verbindung zwischen Kunst und Glauben ist für einige von ihnen sehr wichtig: „Besonders für Paddy, der sechs Jahre im Kloster war.“

Es wird reichlich dem Gesang gefrönt. „Früher haben wir Weihnachten vom 15. Dezember bis zum 6. Januar gesungen. Weihnachtslieder waren unsere erste Musik. Der haben wir uns mit der ganzen Familie und den Nachbarn gewidmet.“ Besonders in den zehn Jahren, in denen die Kellys in Spanien lebten, war das so. Was sicher auch damit zu tun hatte, dass es kaum Ablenkungen gab: „Damals hatten wir kein Fernsehen und für das gesamte Dorf gab es nur ein Telefon. Wer heute solche Abgeschiedenheit sucht, der reist bis Alaska.“

Treues Berliner Publikum

Das erste Berlin-Konzert der „Stille Nacht“-Tour am vorigen Montag im Admiralspalast war schnell ausverkauft. Deshalb wurde ein Zusatzkonzert für Freitag in der Max-Schmeling-Halle anberaumt. Das Berliner Publikum ist Patricia Kelly schon seit reichlich zwei Jahrzehnten als besonders treu in Erinnerung. Gleich nach der Maueröffnung stand die Kelly Family auf dem Alexanderplatz und sang. „Es war sehr windig und kalt. Wir haben uns den Arsch abgefroren. Das war nur mit Angora-Unterwäsche zu ertragen.“

An einem Tag mit minus 18 Grad entschied die Familie spontan: „Heute spielen wir nicht.“ Musste dann aber doch. Patricia: „Da kamen die Berliner und haben gefragt: Warum singt Ihr nicht?“ Einen Vorteil hatte die regelmäßige Betätigung unter freiem Himmel: „Wir waren nie krank, weil wir immer draußen waren.“

Wir wollen die Leute überraschen

Eine Schule hat Patricia früher nie von innen gesehen. Inzwischen besucht sie die Elternabende der Klassen ihrer Söhne, die zunächst auch zu Hause unterrichtet wurden, nun aber in NRW eine französische Schule besuchen. Vielleicht kommen die Jungs ja beim Konzert am Freitag mit auf die Bühne. Wenn ja, wird Mama das Publikum wieder bitten, keine Fotos oder Videoaufnahmen von ihnen zu machen.

Eine Feststellung ist Patricia besonders wichtig: „Das ist keine Tour der Kelly Family. Von uns sind vier auf der Bühne.“ Ihr Horror wäre es, wenn die Leute in Erwartung der kompletten Sippe kämen und dann fragen: „Wo ist der Rest? Wir haben für die ganze Familie bezahlt.“ Die 42-Jährige ist zwar eine geschäftstüchtige Anbieterin von T-Shirts, CDs und DVDs auf ihrer Internetseite, dabei aber um Korrektheit bemüht: „Wir wollen die Leute überraschen und nicht enttäuschen.“