Das aktuelle Gästebuch ist mindestens drei Kilogramm schwer. Nina Ruge, die Fernsehmoderatorin, hat sich eingetragen, der Entertainer Hape Kerkeling und der Sänger Roger Whittaker. Die Schauspielerin Jutta Speidel hat geschrieben, dass sie seit 35 Jahren gern hier logiert, und die griechische Schlagerdiva Nana Mouskouri zeigte sich begeistert vom Service.

Das Kempinski Hotel Bristol am Kurfürstendamm, von den Berlinern „Kempi“ genannt, feiert in diesem Jahr sein 60. Jubiläum. Es ist bei Prominenten heute ebenso beliebt wie zur Zeit seiner Eröffnung im Jahr 1952, als erstes Luxushotel in der geteilten Stadt Berlin. Gut, ein wenig glanzvoller waren die Namen der Gäste früher noch: Sophia Loren und Marcello Mastroianni logierten hier, die Größen des italienischen Films, Hollywoodstars wie Kirk Douglas und Roger Moore; der Dalai Lama ließ sich ebenso bewirten wie US-Präsident Ronald Reagan.

Denn das Haus lebt Tradition – ob beim Afternoon-Tee in der Gobelin-Halle, die gern mit einem großen Wohnzimmer verglichen wird, weil es dort so behaglich ist, besonders wenn zur Winterzeit das Kaminfeuer knistert, oder in der getäfelten Bristol-Bar, wo der Berliner Entertainer Harald Juhnke nicht selten das eine oder andere Glas leerte.

Dass es mittlerweile in Berlin mehr als zwanzig Luxushotels gibt und mit dem Waldorf Astoria am Bahnhof Zoo bald das allerglanzvollste aufmachen soll, ficht Direktorin Birgitt Ullerich nicht an: „Ich freu’ mich drauf.“ Sie sagt, dass die ganze City West im Aufwind ist: „Da haben alle etwas davon.“ Dass dem „Kempi“ die Gäste wegbleiben, daran sei nicht zu denken, es gebe viele treue Stammgäste. Auch neue Kunden kommen, viele aus Skandinavien und Russland. „Wir sind ja mittendrin am Kurfürstendamm“, sagt Ullerich. Und der entwickle sich prächtig, kaum eine Nobelmarke, die dort nicht vertreten ist.

Vielleicht ist es das, was viele Hotelgäste anzieht. Oder die Mischung aus Noblesse, Tradition und Behaglichkeit. Vielleicht aber sind es auch die Geschichten, die man sich im Laufe der Jahre erzählte. Vom König von Tonga, der so dick war, dass das Personal ihm immer zwei Stühle zusammenschieben musste. Von den Rolling Stones, die ihre Suite zerlegten und Hausverbot bekamen. Oder von Curd Jürgens, der etwas frustriert einen neuen Namen für das Hotel vorschlug: „Knefinski“ – sein Lieblingszimmer war an Hildegard Knef vergeben worden. Und die dachte nicht daran, auszuziehen.