Berlin - Als Jörg Jansen vor fünf Jahren ein altes Auto kaufte, ahnte er noch nicht, dass dies der Anfang einer aufwendigen Spurensuche sein würde. Einer Spurensuche, die ein weitgehend unbeachtetes Kapitel der deutschen Geschichte zutage fördern würde. Zuerst ging es ihm aber nur um das Auto. „Mich hat der Wagen von Anfang an fasziniert“, sagt Jansen, der als Kfz-Sachverständiger einiges davon versteht.

Das Fahrzeug, das er im Frühjahr 2008 in einem Lackierbetrieb in Krefeld entdeckte, erinnert an einen VW-Käfer, ist aber keiner. Er ist ein Prototyp, ein Fahrzeug, das es so auf der Welt nicht noch einmal gibt und nachweislich schon vor dem ersten Käfer existierte – nämlich schon im Jahr 1935. Gebaut wurde es von einem vermutlich jüdischen Ingenieur im Berlin der 30er Jahre. Er muss ein Meister seines Faches gewesen sein, denn in dem Wagen sind technische Finessen eingebaut, die erst viel später für die serienmäßige Produktion von Autos verwendet wurden.

Spurensuche wie im Krimi

Das alles aber fand Jansen erst nach und nach heraus. Papiere, etwa einen Fahrzeugbrief, hatte er nicht. Im Wagen selbst gab es nur ein sogenanntes Typenschild, dem immerhin einige technische Daten und die Firma zu entnehmen waren, in der das Auto gebaut wurde: Leichtbau Maier in Berlin. Mehr nicht. Doch Jörg Jansen war neugierig geworden. Er setzte sich sogar ans Telefon und begann die in Berlin lebenden Maiers anzurufen, deren Nummern er im Telefonbuch fand. Vergebens. Von denen, die er erreichte, konnte ihm keiner weiterhelfen. Aber Jansen ist keiner, der so schnell aufgibt. Und dann hatte er an anderer Stelle Glück.

Während er das Auto noch in Eigenregie in einen „fahrbereiten und vorzeigbaren Zustand“ brachte, wie er es selbst nennt, schickte er Fotos an das Prototyp-Museum in Hamburg, das auf Sport- und Rennwagen der Nachkriegszeit spezialisiert ist. Die Hamburger halfen Jansen mit einem Kontakt in die Schweiz aus. Dort residiert Hans-Peter Bröhl, Experte für sogenannte Stromlinienfahrzeuge und Prototypen, der Jansens Auto tatsächlich kannte.

Es war bereits durch einige Hände gegangen. In den 60er- und 70er Jahren hatte es sogar einmal zum Fundus einer Filmfirma gehört. Und so ist es in einer Folge der Serie „Tadellöser und Wolff“ zu sehen, die 1975 als Fernseh-Zweiteiler ausgestrahlt wurde. Zu dieser Zeit war auch noch der Original DKW-Motor im Heck eingebaut.

Während seiner Zeit in der Filmfirma bekam der Prototyp einen Käfer-Motor, um das Fahrzeug für eine spätere Folge der Filmserie fahrbereit zu machen. Nach seiner Filmkarriere wurde das Auto an einen privaten Sammler in Aachen verkauft, den Experte Bröhl wiederum kannte. Der Werdegang des Wagens wurde klarer, doch sein Erbauer blieb weiter ein Rätsel.

Jansen restaurierte weiter an dem Auto, das zwar frisch lackiert war, aber fahrtuntüchtig , als er es kaufte. „Insgesamt habe ich 30 000 Euro reingesteckt“, erzählt er. Wie viel Zeit er bisher in die Erforschung der Geschichte seines Oldtimers gesteckt hat, kann er nicht sagen.

Hipe Namen aus den Dreißigern

Im August präsentierte er den Wagen auf einer Oldtimer-Veranstaltung auf Schloss Dyck in Grevenbroich. Und erhielt einen weiteren wertvollen Hinweis für seine Spurensuche. Jansen lernte den Holländer Herman van Oldeneel kennen, der sich mit historischen Autos auskennt. Dieser ermittelte den Namen des Erbauers – auf ebenso mühevolle wie einleuchtende Art: Van Oldeneel setzte Vornamen, die in den 30er Jahren des letzten Jahrhundert gängig waren vor den Nachnamen und recherchierte mit diesem Suchbegriff im Internet. Bei einem Patentamt in den USA hatte er dann einen Treffer: Friedrich Eugen Maier hieß der gesuchte Autobauer.

Jansen recherchierte sofort beim Patentamt weiter. Und richtig: 12 Patente gab es auf den Namen Friedrich Eugen Maier. Wenn Jansen sie aufzählt, gerät er in Begeisterung. „Er hat den höhenverstellbaren Fahrersitz und das höhenverstellbare Fahrwerk erfunden und Scheinwerfer, die beim Lenken, entsprechend die Richtung wechseln. Das ist in unseren Autos noch gar nicht so lange serienmäßig.“ Einen Teil seiner Erfindungen verbaute Maier im Protypen, der nun Jansen gehört.

Mit dem Namen erhielt Jansen auch eine Adresse. Friedrich Eugen Maier lebte in der Sömmeringstraße 30 in Berlin-Charlottenburg. „Vermutlich hatte er hier auch seine Werkstatt“, sagt Jansen, „aber das ist unklar, denn hier wurde nach dem Krieg alles neu gebaut.“ Jansen weiß das, weil er noch im Sommer nach Berlin gefahren ist, um weiterzusuchen. Er recherchierte auch im Technikmuseum, in der zur Zeit eine Sonderausstellung über vergessene jüdische Erfinder gezeigt wird. Egon Ferdinand Maier ist nicht darunter.

Informationen über Leichtbau Maier und Friedrich Eugen Maier nimmt Jörg Jansen gerne an: info@sgjansen.de