Berlin - Ein Kiez kämpft um seine Bäckerei: Weil das französische Café Filou in der Reichenberger Straße in Kreuzberg geschlossen werden soll, wollen Anwohner am Sonntag demonstrieren.

Wie berichtet hatten die Londoner Eigentümer den Betreibern zum 31. Juli fristgemäß gekündigt; der Gewerbemietvertrag wurde nicht verlängert. Der kleine Laden an der Ecke zur Glogauer Straße passe nicht mehr ins Konzept des Kiezes, er sei nicht schick genug, begründeten die Eigentümer den Schritt.

Ein Schlag für Nadja Wagner und Daniel Spülbeck, die das Café seit 15 Jahren betreiben. Sie haben drei Kinder und beschäftigen drei Angestellte. Seit sie die Kündigung bekannt machten, solidarisieren sich immer mehr Anwohner, hängen Protest-Banner an ihren Balkonen auf und verteilen Flugblätter. Knapp 2000 Menschen haben bereits gegen die Schließung unterschrieben – sie wollen die einzige Bäckerei in ihrem Kiez retten. "Wir freuen uns sehr über die große Unterstützung", sagt Daniel Spülbeck, Inhaber des Cafés.

Bürgerinitiative gegründet

Vor knapp zwei Wochen gründete sich sogar eine Bürgerinitiative, die um  das Filou kämpfen will. Etwa 100 Anwohner engagieren sich darin. Sie rufen am kommenden Sonntag um fünf vor zwölf unter dem Motto "Filou bleibt" zu einer Kundgebung vor der Bäckerei auf. Damit sollen die Betreiber aufgefordert werden, die Kündigung zurückzunehmen, sagt Coni Pfeiffer vom Bündnis "GloReiche": "Das Filou ist ein wichtiger sozialer Treffpunkt im Kiez, eine Art Lebensader. Wir wollen, dass es bleibt."

Die Kundgebung richte sich an alle, die sich gegen Verteuerung von Wohnraum und Verdrängung von Einzelhandel durch Investoren wenden wollen. Auch andere Nachbarschaftsinitiativen, die ähnliche Probleme haben, wollen sprechen. Zudem ist eine Online-Petition geplant.

BVV Friedrichshain-Kreuzberg: Bäckerei Filou soll bleiben

Auch Politiker solidarisieren sich mit den Café-Betreibern. Unter anderem hat sich der Kreuzbergs Grünen-Abgeordnete Christian Ströbele bereits mit einem Brief an die Eigentümer des Hauses gewandt.

Am Mittwochabend war die Kündigung des Kiez-Bäckers Thema im Bezirksparlament von Friedrichshain-Kreuzberg. Die Bezirksverordnetenversammlung beschloss einstimmig eine Resolution zum Erhalt des Filou. „Die Eigentümer und Vermieter der Gewerbeeinheit werden aufgefordert, die ausgesprochene Kündigung zurückzunehmen“, heißt es in dem Papier. Sie sollen sich Gesprächen mit den Betreibern nicht verschließen, „um einen langfristigen Verbleib der Bäckerei im Kiez zu ermöglichen“. Die Bäckerei Filou sei ein wichtiger Teil der lokalen Versorgungsinfrastruktur und Kieztreffpunkt für viele Nachbarn. Dieser dürfe nicht verloren gehen.