Sozial. Gerecht. Direkt. Mutlu! Mit diesem kämpferischen Slogan präsentiert sich der Bundestagabgeordnete der Grünen, Özcan Mutlu,  auf seiner Seite im Internet. Mutlu schreibt, das seien nicht nur Worte für den Wahlkampf gewesen. Diese  drei Worte seien für ihn Programm. Er wolle sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen und  für bezahlbare Mieten.

Angst um die Existenz

Die Betreiberinnen des familiengeführten Kosmetiksalons Blank in Prenzlauer Berg haben den Kreuzberger Bundestagsabgeordneten allerdings auf andere Weise kennengelernt – als   Eigentümer des etwa 100 Quadratmeter großen Ladenlokals  in der Stargarder Straße, der  erst die Gewerbemiete erhöhte und dann den Mietvertrag kündigte. „Rabiat und unmenschlich“ sei sein Vorgehen, wirft   Ibolya Blank dem bündnisgrünen Immobilienbesitzer vor. „Sozial gerecht geht es hier nicht zu. Uns wird Angst gemacht.  Und wir haben tatsächlich Angst um unsere Existenz “, sagt die Tochter der Ladeninhaberin Gyöngyi Blank.

Denn im November 2016 muss sie  das Ladengeschäft nach 29 Jahren schließen. Die Kündigung kam im Januar 2016, Absender sind  Özcan Mutlu und seine Frau, beide haben den Brief unterschrieben. „Einer Fortsetzung des Mietverhältnisses über den Kündigungszeitpunkt hinaus wird bereits jetzt widersprochen“, steht darin.  

Das Cosmetic Studio Blank hat eine lange Tradition, im Kiez ist es eine Institution.  Im Januar 1987 übernahm Gyöngyi Blank den bestehenden Kosmetiksalon, den es dort schon seit etwa 1967 gab. Mehr als 40 junge Menschen haben sich im Laufe der fast drei Jahrzehnte dort ausbilden lassen. Zurzeit arbeiten neben Gyöngyi Blank und ihrer Tochter  sechs Angestellte und ein Azubi in dem Schönheits- und Wellnesssalon. Das Geschäft läuft gut, es mangelt nicht an Kundschaft,  die Gewerbemiete ist mit knapp acht Euro kalt sehr günstig. „Wir hatten uns auf unser 30. Firmenjubiläum im kommenden Jahr vorbereitet“, sagt Ibolya Blank.

Im Sommer vergangenes Jahres erfährt Familie Blank, dass Özcan Mutlu das Ladengeschäft erworben hat.  Im September 2015 folgt eine 100-prozentige Mieterhöhung für die Gewerberäume in guter Geschäftslage.  Die zuständige Hausverwaltung schreibt, der bisherige Eigentümer habe es versäumt, die Miete auf ein marktübliches Niveau anzupassen. Das übernimmt nun Özcan Mutlu.

Gyöngyi Blank ist bereit, die neue Gewerbemiete in Höhe von 1 573 Euro zu bezahlen. In einem persönlichen Schreiben an die  Mutlus bittet sie um einen längerfristigen Mietvertrag. Der derzeit gültige verlängert sich jeweils immer nur um ein Jahr und kann sechs Monate vor Ablauf gekündigt werden. „Wir sind ein bekannter Schulungs- und Ausbildungsbetrieb, ein  längerfristiger Mietvertrag ist uns bezüglich unserer Angestellten und Auszubildenden wichtig“, schreibt Gyöngyi Blank im September  an die   Mutlus. Die antworten nicht. Dafür schreibt die Hausverwaltung, dem Wunsch  auf eine längere Mietdauer könne nicht entsprochen werden. Dann kommt die Kündigung.

Eine Anfrage der Berliner Zeitung an den Grünen-Politiker beantwortet ein Rechtsanwalt seiner Ehefrau. Denn diese  sei die „wirtschaftlich Verantwortliche für das Geschäft Stargarder Straße 74“. Aus einem „völlig normalen Vorgang des Betreiberwechsels eines Ladenlokals“  solle offenbar ein „öffentlicher Skandal“ konstruiert werden, der auf die politische Beschädigung  ihres Mannes ziele, lässt Frau Mutlu mitteilen.