Berlin - Ja, sie wolle schon ein paar Kerzen mitbringen, zu der – ja, was eigentlich? Demonstration? Lichterkette? – „Informationsveranstaltung“, sagte Beate Jensen schließlich. Ins Kino wolle sie jedenfalls nicht gehen. Obwohl, es doch die letzte Chance gewesen wäre. Beate Jensen gehört nämlich zu den Aktivisten für den Erhalt des Traditionskinos Kurbel. Dort, in der Giesebrechtstraße 4 in Charlottenburg, läuft am Mittwochabend die allerletzte Vorstellung, nach 77 Jahren. Zum Ende des ältesten Tonfilmkinos der Stadt läuft noch einmal der Klassiker „Vom Winde verweht“.

Ausverkauft ist diese letzte Vorstellung am Mittwoch. Das war das Kino in jüngster Zeit viel zu selten – jedenfalls wenn es nach dem Hausbesitzer geht. Er erhofft sich höhere Mieteinnahmen. Also will er das Kino schließen, das Haus umbauen und ebenerdig an einen Bioladen-Filialisten vermieten.

Beate Jensen und ihre Mitstreiter wollen das Aus nicht akzeptieren. Sie rechnen vor, der Eigentümer habe in den vergangenen Jahren sehr wohl ein gutes Geschäft gemacht – und auch die Besucherzahlen seien mit bis zu 90 000 im Jahr nicht so schlecht wie behauptet. Jetzt sei der Hauseigentümer offenbar nur auf maximalen Profit aus. Das Kino sei jedoch eine kulturelle Einrichtung, die unbedingt erhalten werden müsse. Dem schloss sich Prominenz (Berlinale-Direktor Dieter Kosslick, Regisseur Rosa von Praunheim, Schauspieler-Paar Angelika Domröse und Hilmar Thate, Kunstanwalt Peter Raue) und Bezirkspolitik an. Vergeblich.

Jetzt sollen Kerzen helfen.