Ein Kitakind.
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Berlin - Petra Berndt ist Lehrerin und hat viel Verständnis für die coronabedingten Nöte im Bildungswesen. Die 33-Jährige ist aber auch Mutter. Sie und ihr Mann sind als systemrelevant eingestuft, deshalb durfte der Sohn bisher acht Stunden in die Kita. Doch ab Donnerstag gilt eine neue Regelung, sodass auch andere Kita-Kinder wieder in Kitas betreut werden.

„Die Kita teilte uns mit: Mit der Neuregelung kann unser Kind nur noch vier Stunden betreut werden“, sagt die Lichtenbergerin. „Wie soll ich da arbeiten gehen?“ Die Kita-Mitarbeiterinnen würden sich Mühe geben, aber die Senatsvorgaben besagten, dass keine längere Betreuung möglich sei.

In der Information der Bildungsverwaltung heißt es: „Grundsätzlich erhalten deshalb alle anspruchsberechtigten Kinder ein Betreuungsangebot von bis zu vier Stunden pro Tag, das flexibel gestaltet werden kann.“ Für systemrelevante Berufsgruppen, insbesondere im Gesundheits- und Pflegebereich, könnten in Einzelfällen längere Betreuungszeiten vereinbart werden.

Dieser Satz sorgte am Dienstag bei vielen Eltern für Aufregung. Auch Petra Berndt hat nun die die Einzelfallregelung beantragt. „Da ich nicht im Gesundheitsbereich arbeitete, weiß ich nicht, ob es klappt. Wir sollen erst am Mittwochabend erfahren, ob unser Kind betreut wird. Erst dann weiß ich, ob ich am Donnerstagmorgen in der Schule meine Klasse unterrichten kann.“

Auch bei den Verbänden ist der Ärger groß. Die Aufregung erreichte auch die Bildungsverwaltung. „Wir werden an die Kitaträger noch eine Präzisierung schicken“, sagte ein Sprecherin. Aus der „Kann“-Lösung für die Einzelfällen soll eine „Soll“-Regel werden. Das heißt: Die Kinder von Eltern aus systemrelevanten Berufen sollen möglichst so lange betreut werden, dass die Eltern auch arbeiten gehen können. „Die Formulierung im Schreiben war missverständlich“, so die Sprecherin.

Die Vier-Stunden-Regel sei nicht als genereller Wert für alle gemeint gewesen, sondern als Orientierungswert. Gleichzeitig bittet der Senat die Eltern um Verständnis, denn durch die coronabedingten Ausfälle, Hygienevorschriften und Abstandsregeln seien nicht alle Erzieherinnen einsatzfähig und nicht alle Räume voll nutzbar. Die Idee ist, dass die Kitas mit allen Elternteilen flexibel aushandeln, wie viel Betreuungszeit nötig ist. Es könne sein, dass eine Lehrerin nicht fünf Tage in der Woche acht Stunden benötigt, heißt es. Dies komme anderen Eltern zugute.

Unmut regt sich auch, weil das zehnseitige Schreiben so kurzfristig kam. „Um 21.30 Uhr kam das Schreiben – nun haben die Kitas 48 Stunden Zeit, die komplexe Aufgabe zu lösen: Wer wird die Kita nutzen? Wie werden Gruppen, Personal und Räume zusammengestellt?“, monierte Martin Hoyer, Vize-Geschäftsführer vom Verband Der Paritätische.