Fast an jeder Ecke werden einem heute T-Shirts nachgeschmissen, oft für ’n Appel und ’n Ei. Da mit noch mehr T-Shirts zu kommen, die noch dazu um die 60 Euro kosten, ist gewagt. Die beiden Freunde Ezra Kinderman und Boris Tankilewitsch haben sich dieser Herausforderung gestellt und gründeten Anfang des Jahres ihr T-Shirt-Label Kinder & Tank. Ihre Strategie: ein hoher Qualitätsanspruch. Damit wollen sie dem Billigangebot der Textildiscounter Paroli bieten.

„Ein T-Shirt ist ein T-Shirt. Das kann man nicht neu erfinden“, sagt Kinderman. „Deshalb verwenden wir einen Stoff, der sich besonders gut anfühlt.“ Die Rede ist von Modal, einem Material, aus dem wegen seiner atmungsaktiven Eigenschaften normalerweise Sportunterwäsche und Trikots hergestellt werden. Diese liegen meist eng auf der Haut. Ganz anders die T-Shirts der beiden Freunde. Sie sind weiter geschnitten, weil der Stoff so schön fällt.

Modal, das aus Buchenholz gewonnen wird, ist wie Baumwolle und Seide ein reines Naturprodukt. Die beiden 26-jährigen Unternehmer beziehen es von einer österreichischen Firma, die bekannt ist für ihre gute CO2 -Bilanz. „Für jeden Baum, den diese Firma fällt, wird wieder ein neuer angepflanzt“, schwärmt Kinderman und betont, dass das Verfahren nachhaltiger sei als der Anbau von Baumwolle. In Zeiten, in denen ökologisches Bewusstsein auch beim Modekauf immer wichtiger wird, liegen sie mit diesem Stoff voll im Trend. Aber auch ihr Design kann sich sehen lassen. Ihre Kollektion, bestehend aus acht Modellen, gibt es nur in den Farben Schwarz und Weiß – entweder in uni oder mit einem dezenten grafischen Motiv.

Alles begann beim Chanukka-Lichterzünden

Kennengelernt haben sich die beiden im Dezember 2011 zum traditionellen Chanukka-Lichterzünden am Brandenburger Tor. Jedes Jahr wird dort der Auftakt des jüdischen Lichterfests mit einem großen achtarmigen Leuchter gefeiert. Die jungen Männer, beide Nachfahren von Holocaust-Überlebenden, stellten fest, dass sie neben ihrem jüdischen Glauben auch noch andere Gemeinsamkeiten haben. Nämlich, dass sie aus kreativen Familien stammen.

Boris Tankilewitschs Großvater war ein angesehener Uhrmacher in einem ukrainischen Dorf. Der von Ezra Kinderman hatte, bevor er nach dem Krieg nach Australien ausgewandert ist, eine Lederjackenmanufaktur in der damaligen Tschechoslowakei, seine Großmutter stellte Hemden her. „In Australien führten sie ihr Modebusiness weiter“, erzählt Ezra Kinderman, der sich noch gut an das Atelier seiner Großeltern erinnern kann. „Als Kind bin ich immer zwischen Stoffballen und Schnittmustern herumgetobt.“

Seine Eltern hatten dagegen mit Mode nichts am Hut. Sie erlernten andere Berufe. Genauso wie die von Tankilewitsch. Sie kamen 1996 von der Ukraine nach Deutschland, genauer gesagt nach Erfurt. Klein-Boris war damals acht Jahre alt. Heute hat er ein abgeschlossenes BWL-Studium, ist deutscher Staatsbürger und lebt in Berlin.

Mit ihrem Label „Kinder & Tank“ knüpfen die beiden Freunde an ihr kreatives Erbe an. „Es ist ein schönes Gefühl, dieses Kapitel neu zu schreiben. Noch dazu in Europa, das meine Großeltern vor 70 Jahren verlassen haben“, sagt Ezra Kinderman. Für ihn sei dies die beste Art, sich an die Vergangenheit zu erinnern.

Auch Boris Tankilewitsch sieht das so und kümmert sich rege um die Vermarktung der Shirts, während Ezra Kinderman den kreativen Part übernimmt. Der entwirft, seitdem er 19 Jahre alt ist. Zunächst arbeitete er für kleinere Labels in Australien. Vor knapp drei Jahren kam er nach Berlin, um für das exklusive Modelabel Patrick Hellmann zu arbeiten. „Er hat den Spaßteil“, lacht Tankilewitsch, der vorher bei Radio Energy in der Marketingabteilung saß. „Ich mache all die langweiligen Sachen.“

In ihrer ersten Kollektion haben sie ihr Start-up thematisiert und die damit verbundenen Bedenken. Auf einem der T-Shirts steht zum Beispiel die Frage „What are we afraid of“, zu deutsch „Wovor haben wir Angst?“, die sich wohl jeder Jungunternehmer stellt. Oder der Slogan „If not us“, der sich auf das jüdische Sprichwort „Wenn nicht wir, wer dann?“ bezieht.

Das Geschäft lief gut an. Neben ihrem Internet-Shop, der seit mehr als drei Monaten online ist, führen bereits zwei Berliner Läden ihre T-Shirts: der angesagte „The Shit Shop“ von It-Girl Bonnie Strange in der Rückerstraße in Mitte und der Trendstore „Superconscious“ im Weinbergsweg, ebenfalls in Mitte angesiedelt.

Im Augenblick arbeiten die beiden Designer an der neuen Sommerkollektion, in der es, neben neuen T-Shirt-Modellen, auch Hemden, Sweatshirts und Unterwäsche geben wird. Ihr Label „Kinder & Tank“ ist also kräftig dabei, sich zu entwickeln. Warum haben die beiden eigentlich ihre Namen für das Label abgekürzt? „Kinder & Tank“ sei nun mal viel eingängiger und funktioniere auch international, erklärt Boris Tankilewitsch und grinst: „Kinderman & Tankilewitsch“, das klinge einfach nicht so gut wie „Dolce & Gabbana“.

Die Mode des Labels „Kinder & Tank“ in Bildern und Lookbooks im Internet unter:

www.kinderandtank.com