Berlin - Über den Urbanhafen wehen Strophen von „Jetzt fahren wir übern See". Helle Kinderstimmen mischen sich mit tiefen Stimmen. Sie kommen vom Deck eines Schiffes. Dort stehen Senioren und Kinder an einem schönen Sommervormittag an der Reling. Der ungewöhnliche Chor ist für ein Fotoshooting zusammen gekommen. Im 1. Berliner OldieKidsChor singen Kindergartenkinder und pensionierte Berlinerinnen und Berliner gemeinsam. Manchmal auch eine Pop-Version des Klassikers „Alle meine Entchen“. Aber auch Schlager, Volkslieder und internationale Kinderlieder hat der Chor im Repertoire. 

Auch das Publikum soll beim OldieKidsChor mitsingen

Ins Leben gerufen haben ihn die Chorleiterin Claudia-Maria Mokri und Franziska Walter, Leiterin der Kreuzberger Kita Spielhaus. Die Opernsängerin und Dozentin der Leo-Kestenberg-Musikschule Mokri arbeitet schon lange mit Chören zusammen und möchte auch Laien das Singen näher bringen. Ihre beliebten Volkslieder-Mitsingkonzerte „Singt! ... Und Berlin erklingt" finden seit Jahren in der Berliner Philharmonie statt.

Ganz in der Nähe des Urbanhafens liegt in einem schönen Garten das Nachbarschaftshaus, ein ehemaliges Offizierskasino. Auch hier wird viel gesungen. Franziska Walter und ihr Team der Kita Spielhaus legen viel Wert auf Musik. Der Tag beginnt für die Kinder mit einem Morgenkreis. Musikpädagoge Sebastian Borchardt begleitet den Gesang oft auf der Gitarre. Aber auch andere Instrumente, wie Flöte, Klanghölzer und Trommeln kommen täglich zum Einsatz. Die älteren Kinder bekommen bei Interesse Klavierunterricht. „Musik macht Kinder stark“, ist sich Franziska Walter sicher. Auch am Nachmittag ist die Gitarre im Garten immer dabei.    

So entstand der Mehrgenerationen-Chor

Vor einem Jahr haben sich Claudia-Maria Mokri und Franziska Walter zusammengetan. Die Kinder der Kreuzberger Kita sind bereits mit den Senioren in der Philharmonie aufgetreten. Fragt man die Kinder, wie sie es finden, in einem Mehrgenerationen-Chor zu singen, zucken sie mit den Schultern. Sie verstehen die Frage nicht. Für sie ist es völlig normal, mit älteren Menschen auf der Bühne zu stehen. Franziska Walter bestätigt das. Sie berichtet von einem ihrer Jungs, der nach der Probe fragte: „Der ältere Junge neben mir. Wie heißt der?“ Helmut hieß er und der „ältere Junge“ ist weit über siebzig.

Die Senioren sind begeistert vom gemeinsamen Singen. Sie fühlen sich in ihre Kindheit zurückversetzt, schwärmen von der Leichtigkeit, mit der die Kinder an Proben und Auftritte teilnehmen. Ihre Lebendigkeit ist ansteckend. „Das Herz weitet sich", sagt eine Senior-Sängerin aus Friedenau. Claudia-Maria Mokri will noch viele gemeinsame Konzerte auf die Beine stellen. „Wir brennen für Musik. Es geht um das Zusammensein. Gemeinsam singen und lachen.“

Viele Senioren kommen aus Friedenau. Dort singen sie im Chor der Freude, der in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum feiert. Für sie sind die Proben in der Kreuzberger Kita, die in einem ehemaligen Offizierskasino ihren Sitz hat, Ausflüge in eine andere Welt. Nicht nur musikalisch.