30 Prozent der Schulanfänger haben keine Einschulungsuntersuchung erhalten.
Foto: Mascha Brichta

BerlinDer Ernst des Lebens beginnt am 15. August. Dann kommen, so rechnet man jetzt, 36.760 Mädchen und Jungen in Berlin in die Schule. Die Zahl hat sich erhöht, denn die Stadt wächst. Im Vorjahr waren es 33.800 Erstklässler. Die aktuelle Zahl gab das Haus von Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) nach einer Anfrage des CDU-Abgeordneten Danny Freymark bekannt. Das Senatspapier liegt der Berliner Zeitung vor. In normalen Zeiten ist eine Einschulung nichts Besonderes. Doch normal war gestern. Wir haben ja Corona.

Das Besondere: In diesem Jahr sind mit Beginn der Pandemie Einschulungsuntersuchungen weggefallen. Bei 30 Prozent der kommenden Erstklässler sei nicht untersucht worden, ob sie reif für die Schule seien, wie der Berliner Kinder- und Jugendarzt Jakob Maske (49) sagt. Für den Check sind normalerweise die Gesundheitsämter der Bezirke zuständig. Doch die Ämter sind immer noch im Corona-Modus und haben die Untersuchungen nicht geschafft.

Eltern und Großeltern sind in Sorge: Ist mein Kind reif genug? Sind die Klassenkameraden meines Kindes überhaupt für den Schulstart geeignet?

Für die Einschulungsuntersuchung habe es eine Alternative gegeben, teilt wiederum die Senatsbildungsverwaltung in ihrer Antwort mit. Die Kitas haben zusammen mit den Eltern entschieden, ob das Kind in die Schule kommt oder noch nicht. Seien Kita und Eltern sich uneinig gewesen, sei das Schulpsychologische Beratungs- und Unterstützungszentrum (Sibuz) einbezogen worden.

Diese Alternative sei nicht ausreichend gewesen, so Jakob Maske, der für den Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte spricht. „Die Einschulungsuntersuchung ist gesetzlich vorgeschrieben und der Senat hat gegen dieses Gesetz verstoßen“, erklärt der Mediziner. Kitas und Eltern hätten ein zu gutes Verhältnis und seien nicht objektiv. „Es kann nicht davon davon ausgegangen werden, dass Kitas in Corona-Zeiten die Kinder ausreichend beurteilen können“, so Maske weiter.

Die ohnehin kaputt gesparten Gesundheitsbehörden der Bezirke hätten frühzeitig um Hilfe bitten können – auch bei den Kinderärzten, die regelmäßig die U-Untersuchungen machen, meint der Arzt. „Jetzt ist der Zug abgefahren!“

Mit Folgen, wie Jakob Maske sagt: „Wenn Kinder, die nicht ausreichend entwickelt sind, in die Schule kommen, wird es Probleme geben. Lehrer werden in diesem Jahr mehr Stress haben. Manche Kinder brauchen mehr Förderung. Wenn sie schon die erste Klasse wiederholen müssen, ist das auch für sie nicht gut.“

Die meisten Erstklässler gibt es in diesem Jahr übrigens in Pankow (4630), gefolgt von Mitte (3590). Die wenigsten Erstklässler hat Spandau (2430).

Wichtig: Bei den Einschulungsfeiern in der Schule werden schulfremde Personen in einer Liste erfasst. Tritt eine Infektion auf, werden so Kontakte zurückverfolgt. Privat dürfen nach derzeitigem Stand Einschulungsfeiern stattfinden (bis zu 300 Personen). Der Regelbetrieb an den Schulen soll laut Senatsmitteilung nach den Ferien unter Einhaltung der Hygieneregeln starten. Das Abstandgebot von 1,5 Metern fällt dann weg.

Wenn Schüler oder einer ihrer Angehörigen eine Vorerkrankung hat, können sie weiter von zu Hause aus am Unterricht teilnehmen.