Berlin - Bis 2020 wird die Zahl der in den Kitas und Schulhorten benötigten Erzieher um ein Fünftel steigen. Derzeit gibt es im Erzieherbereich gut 30.500 volle Stellen, in fünf Jahren  werden aber 37.638 Erzieherstellen benötigt. So steht es in der Fachkräfteprognose, die Teil der aktuellen Kita-Entwicklungsplanung ist.

Zwar hat die  Bildungsverwaltung die Ausbildungskapazitäten zuletzt deutlich erhöht, doch ohne weitere Quereinsteiger wird das nicht machbar sein.  „Wir werden Interessierte verstärkt beraten und für den Erzieherberuf werben“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Im ersten Jahr dieser berufsbegleitenden Ausbildung müssen Erzieher, die   Quereinsteiger anleiten, dafür bereits zwei Wochenstunden weniger arbeiten. 

Künftig sollen Kita-Träger noch leichter Quereinsteiger beschäftigen können. Sie müssen deren Beschäftigung nur noch anzeigen, nicht mehr beantragen. An privaten Erzieher-Fachschulen hat das Land bereits das Schulgeld übernommen. Allein im kommenden Kita- und Schuljahr 2016/17 müssen 1331 Fachkräfte gewonnen werden, im Jahr darauf noch einmal 427.

Förderung von Brennpunkt-Kiezen

Für den steigenden Bedarf an Kita-Plätzen gibt es mehrere Faktoren: Die Zahl der Kinder bis sieben Jahre steigt laut Prognose bis 2020 von aktuell 241.500  auf etwa 260. 800 an. Zudem will Berlin zusätzlich Flüchtlingskindern einen Betreuungsplatz bieten. Generell werden Kitas zunehmend als attraktives Angebot wahrgenommen. Um die Miete zu zahlen, müssen Eltern oft beide voll arbeiten. Auf der anderen Seite lädt die Ausweitung der Gebührenfreiheit Eltern dazu ein, ihre Kinder früher und länger in die Kita zu geben.

Ein letzter Faktor: Der Senat fördert  gerade in Brennpunkt-Kiezen den Kita-Besuch durch Beratung und Empfehlungen. Bisher besuchten dort relativ wenig Kinder eine Kita. Die gut 30.000 neuen Kita-Plätze bis 2020 sollen durch verschiedene Programme des Landes und auch des Bundes realisiert werden. Vor allem durch den Platzausbau der Kita-Träger selbst und durch die im Doppelhaushalt 2017/18 verankerten Mittel für den Kita-Ausbau. Aber auch aus dem  neu aufgelegten Landesprogramm und  aus dem Starthilfe-Programm soll viel Geld fließen. Die Starthilfe erhalten Elterninitiativ-Kitas, um Räume in Eigenregie fertigzustellen. Zudem hat die Bildungsverwaltung auch Mittel aus einem Bundesprogramm für Flüchtlinge mit einkalkuliert. Aus diesem Programm sollen 3000 Kita-Plätze entstehen – und zwar als vorgefertigte Modulare Kitabauten.

Erstmals hat Berlin auch berechnet, wie viele Flüchtlingskinder einen Kita-Platz benötigen. Derzeit  besuchen demnach 2939 Flüchtlingskinder eine Kita, bei einer Gesamtzahl von knapp 7500 Kindern im Kita-Alter in Berlin. Für die Jahre 2018 und 2019 rechnet man aber bei deutlich mehr angenommenen Flüchtlingskindern damit, dass etwa die Hälfte davon eine Kita besucht – jeweils über 5000 Plätze würden dadurch belegt. „Das ist eine Rechnung mit vielen Unbekannten“, heißt es dazu bei den Kita-Planern. Man wisse nicht, wie viele noch hinzukommen, wer gehe und wie die Kitas angenommen würden. Weiter Kita-Plätze sollen aus dem Sondervermögen Infrastruktur der wachsenden Stadt (Siwa) und aus dem ab 2015 gültigen Bundesprogramm für Unter-Dreijährige kommen.

Von Prognose überholt

Generell versuchen die Kita-Planer, immer noch mit einem Reservepuffer zu planen. Sonst hätten Eltern gar keine Wahlfreiheit mehr. „Wir haben in der Vergangenheit immer mehr Kita-Kinder angenommen als die Bevölkerungsprognose in ihrer obersten Annahme vorausgesagt hat“, heißt es. Doch  die neueste Bevölkerungsprognose hätte dann alles getoppt. Die neue Prognose sieht im Jahr 2020 noch einmal gut 18.000 Kita-Kinder mehr vor als die bisherige Annahme.  Insgesamt wendet Berlin jetzt schon 1,5 Milliarden Euro pro Jahr für seine Kitas auf, das sind 300 Millionen Euro mehr als noch vor wenigen Jahren.