Ein Kind nimmt sich ein Buch aus dem Regal. 
Foto: dpa/Monika Skolimowska

BerlinAm Dienstag beginnt für Berliner Familien ein mindestens fünfwöchiger Ausnahmezustand. Die Kinder dürfen nicht in Schule und Kindergärten gehen. Allerdings müssen Kitas und Grundschulen für Kinder beruflich unverzichtbarer Eltern eine Notversorgung anbieten. Eltern müssen dafür nachweisen, dass sie keine andere Betreuungsmöglichkeit haben. Es gilt: Es gibt nicht den einen Weg, es muss improvisiert werden. Arbeitgeber und Arbeitnehmer werden nach Lösungen suchen – ein Mix aus folgenden Werkzeugen:

Notbetreuung

Folgende Berufsgruppen können laut Senatsverordnung diese Möglichkeit in Anspruch nehmen: Polizei, Feuerwehr und Hilfsorganisationen, Justizvollzug, Krisenstabspersonal, betriebsnotwendiges Personal von BVG, S-Bahn, BWB, BSR, weiterer Unternehmen des ÖPNV sowie der Ver- und Entsorgung, Energieversorgung (Strom, Gas).

Ebenso geht es um betriebsnotwendiges Personal im Gesundheitsbereich (insbesondere ärztliches Personal, Pflegepersonal und medizinische Fachangestellte, Reinigungspersonal, sonstiges Personal in Krankenhäusern, Arztpraxen, Laboren, Beschaffung, Apotheken).

Des Weiteren geht es um betriebsnotwendiges Personal im Pflegebereich sowie Personal und Schlüsselfunktionsträger in öffentlichen Einrichtungen und Behörden von Bund und Ländern, Senatsverwaltungen, Bezirksämtern, Landesämtern und nachgeordneten Behörden, Jobcentern und öffentlichen Hilfeangeboten und Notdiensten.

Versorgt werden muss ebenso das Personal, das die Notversorgung in Kita und Schule sichert sowie sonstiges betriebsnotwendiges Personal der kritischen Infrastruktur und der Grundversorgung. Wer zu diesem „sonstigen betriebsnotwendigen Personal“ gehört, musste am Sonntagnachmittag zwischen den Senatsverwaltungen noch abgestimmt werden.

„Wir haben dabei die neuen Einschätzungen vom Charité-Virologen Christian Drosten berücksichtigt und nehmen Anregungen der Kita-Träger aus der täglichen Praxis auf“, betont Sandra Scheeres. Der Virologe hatte gewarnt, dass Kinder nicht in neu zusammengestellte Gruppen und konzentriert in ausgesuchte Einrichtungen gehen sollen. Die Notbetreuung soll nun in der vertrauten Kita stattfinden. Auch in den Grundschulen wird es in allen Bezirken für die Klassen 1 bis 6 eine Notbetreuung geben. „Unser Ziel muss sein, dass so wenige Kinder wie möglich in den Einrichtungen sind“, appelliert Scheeres.

Sonderurlaub

Vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gibt es folgenden Hinweis: Eltern müssen zunächst alle zumutbaren Anstrengungen unternehmen, die Kinderbetreuung anderweitig sicherzustellen. Gelingt dies nicht, greift das Leistungsverweigerungsrecht des Arbeitnehmers (§ 275 Abs. 3 BGB). Für eine verhältnismäßige, nicht maßgebliche Zeit kann der Arbeitnehmer zur Betreuung des Kindes zu Hause bleiben und bekommt weiter Gehalt. Allerdings ist unklar, was „verhältnismäßig“ ist.

Richter haben bisher eine Spanne von drei bis 14 Tagen gelten lassen. In einem Berliner Finanzamt erhielt eine Mutter etwa die Zusage für drei Tage Sonderurlaub. Danach muss sie sich anders behelfen.

Urlaub nehmen

Als Eltern Urlaub zu nehmen, fällt für viele aus. Wer jedoch viel Urlaub übrig hat, kann ihn jetzt nach Absprache in verlängerte Osterferien investieren.

Unbezahlter Urlaub

Einen Monat lang hat ein ruhendes Beschäftigungsverhältnis keine Auswirkungen auf die Krankenversicherung. Sie bleiben als Arbeitnehmer versichert und zahlen als Pflichtversicherter in dieser Zeit keine Beiträge.

Kind ist krank

Es muss ja nicht gleich Corona sein. Eltern steht es zu, das Kind zu Hause zu versorgen. Dieser Anspruch ist pro Kind und Elternteil auf jeweils zehn Arbeitstage – für Alleinerziehende auf 20 Arbeitstage – begrenzt. Der Kinderarzt muss einen Nachweis ausstellen, der belegt, dass das Kind pflegebedürftig ist.

Kreativ werden

Der Tweet der Berliner Moderatorin Aline von Drateln (43) verbreitete sich schnell: „Ohne Publikum habe ich als Moderatorin keine Arbeit“, schreibt sie. Sie biete ehrenamtlich Kinderbetreuung an für Betroffene der #Schulschliessungen in Prenzlauer Berg/Mitte. Vor allem für Eltern, die in Pflegeberufen arbeiten, schreibt die Mutter zweier Kinder. „Es wäre ja bekloppt, wenn ein Teil der Gesellschaft zuhause sitzt und verdammt ist, nichts zu tun, und der andere Teil durchdreht, weil er nicht weiß, wie er alles unter einen Hut kriegen soll“, sagte sie der B.Z.

Aber auch bei privater Betreuung in Kleingruppen unter Freunden und Eltern sollte man darauf achten, dass die Gruppen nicht ständig neu zusammengesetzt werden.

Zwar habe man aus Streiks Erfahrungen über Betreuungsnotstand über zwei bis drei Tage, sagt Landeselternsprecher Norman Heise. Doch der lange Zeitraum stellt alle vor eine Herausforderung. „Unser Credo war, bitte nicht von heute auf morgen schließen, gebt Eltern Gelegenheit, das zu organisieren“, sagte er. Besonders Schichtarbeiter und Alleinerziehende bräuchten flexible Möglichkeiten vom Personalplaner.

Home-Office

Die Variante, von zu Hause aus   zu arbeiten, während die Kinder auch da sind, schlagen meist Chefs vor, die selber keine Kinder haben. Effiziente Heimarbeit mit Kindern ist Wunschdenken.   „Ich hoffe, dass es noch Lösungen gibt, die diejenigen auffangen, die in Schieflage geraten. Auch Eltern haben Verpflichtungen zu bedienen, müssen ihre Miete zahlen“, sagt Norman Heise. Vielleicht wäre es sinnvoll, eine Hotline für Härtefälle zu schalten, regt er an.

Oma und Opa

Von einer Betreuung durch Großeltern wird dringend abgeraten!