Die Personalnot in den Kindergärten verschärft sich zusehends. Vielerorts finden Kitas nicht mehr genug qualifizierte Erzieher, um wartende Kinder aufnehmen zu können. „Wir können freie Plätze nicht vergeben und unsere Kapazitäten nicht ausschöpfen“, sagt Robert Ehrenpfordt, der Kaufmännische Geschäftsleiter des kommunalen Kita-Eigenbetriebs NordOst. „Ohne zusätzliches Personal müssen wir zukünftig unser Platzangebot sogar weiter reduzieren.“ Allein dieser Kita-Eigenbetrieb betreibt über 70 Kitas in Pankow, Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf, wo aufgrund steigender Kinderzahlen besonders viele Plätze benötigt werden.

Andere Träger haben noch größere Probleme: „Wir haben unser Angebot bereits reduziert, weil wir sonst die Aufsichtspflicht nicht mehr hätten gewährleisten können“, sagt Thomas Daebel vom Kita-Träger Bürgerhaus. Insgesamt sei jede zehnte Stelle derzeit unbesetzt, man behelfe sich mit Mitarbeitern, die Zeitarbeitsfirmen schicken.

Protestbrief an Scheeres

Ähnliches schildert Wibke Reinsch-Neumann vom Pfefferwerk, einem freien Kita-Träger. „Es wurde viel in den Kita-Ausbau investiert und es wurden Verbesserungen beim Betreuungsschlüssel beschlossen“, sagt Wibke Reinsch-Neumann. „Doch das dafür nötige zusätzliche Personal hat man nicht eingeplant.“ Eine Gruppe von 10 Kita-Betreibern aus Pankow hat nun einen Protestbrief an Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) verfasst. Daraus geht hervor, dass an den 115 Kitas insgesamt 681 Plätze nicht belegt und 118 Stellen unbesetzt sind. „Weitestgehend liegt das daran, dass Fachkräfte fehlen“, heißt es im Brief.

Mit Unverständnis reagieren die Kita-Betreiber auf jüngste Äußerungen von Scheeres. Sie hatte sich in einem Schreiben an die Bundesagentur für Arbeit dafür eingesetzt, den Erzieherberuf zum Mangelberuf erklären zu lassen. Dadurch verspricht sie sich mehr Fördermöglichkeiten für die Ausbildung von Quereinsteigern zu regulären Erziehern zu erhalten. In diesem Kontext hatte Scheeres allerdings auch gesagt, dass es derzeit noch genügend Erzieher gebe.

„Das stellt sich in unserer Realität nun wirklich anders dar“, sagt Wibke Reinsch-Neumann vom Pfefferwerk. Scheeres verweist hingegen darauf, dass es berlinweit noch 7000 freie Kita-Plätze gibt. „Erzieherinnen und Erzieher sind rar“, sagte sie. „Gerade auch weil wir massiv Kita-Plätze ausgebaut haben und zusätzliches Personal für Qualitätsverbesserungen bereitgestellt wird.“ Tatsächlich wird der Betreuungsschlüssel für Unter-Dreijährige wird in den kommenden drei Jahren deutlich verbessert: Bereits ab August 2016 ist ein Erzieher rechnerisch nicht mehr für 5, sondern nur noch für 4,5 Krippenkinder zuständig. Ab kommenden August folgt eine weitere Absenkung auf 4,25 Kinder. Das alles erfordert allerdings Hunderte neue Erzieher, weil mehr Gruppen zu betreuen sind.

Die Ausbildungskapazitäten wurden zwar erhöht, doch allein bis 2020 plant Berlin weitere 30.000 Kita-Plätze einzurichten. Dafür werden dringend weitere Erzieherinnen benötigt. Schon jetzt wird die Betreuung nur dadurch aufrechterhalten, dass pro Kita bis zu 25 Prozent Quereinsteiger direkt auf den Personalschlüssel angerechnet werden.

Bezugserzieher fehlen

Seit Jahresbeginn füllen sich die Kitas weiter auf, weil immer mehr Kinder hinzukommen, die künftigen Schulkinder aber erst im Sommer in die Schule wechseln. „Doch selbst Personal-Dienstleistungsunternehmen können derzeit kein ausgebildetes Personal mehr entsenden“, stellte die Pankower Arbeitsgemeinschaft zur Betreuung von Kindern in der Tagespflege bereits fest. „Das führt dazu, dass den Kindern die Bezugserzieher fehlen, die Qualität der pädagogischen Arbeit leidet und das Wohl des Kindes durch dauerhafte Unterbesetzung gefährdet ist.“

Erschwerend kommt hinzu, dass Berliner Erzieher besonders wenig verdienen, im Nachbarland Brandenburg sind es zum Beispiel 400 Euro brutto mehr.