Kinderbetreuung: Wenn die Kita zwölf Kilometer entfernt ist

Der dreijährige Jayden fährt gerne Bus. Seine Mutter Anne-Cathrin Gaberle aber ist genervt. Jeden Morgen müssen die beiden mit der Linie 108 zwölf Kilometer von ihrem Zuhause in Mahlsdorf-Süd in die Marzahner Jan-Petersen-Straße fahren. Dort ist die Kita von Jayden. Nachmittags steht der gleiche lange  Rückweg an. Läuft’s schlecht, verbringen die beiden   zweieinhalb Stunden täglich im Bus.

Wie der 21-Jährigen Anne-Cathrin Gaberle geht es vielen Eltern am östlichen Stadtrand. Trotz massiven Zuzugs wuchs die Infrastruktur nicht mit, vor allem Kitas fehlen. Das ist für das Gebiet Kaulsdorf/Mahlsdorf, wo Gabeler wohnt,  statistisch belegt. Die Senatsverwaltung für Bildung veröffentlichte auf Anfrage des CDU-Abgeordneten Mario Czaja folgende Zahlen: Insgesamt gibt es dort 1315 Kita-Plätzen (Stand 5. Januar), belegt sind 1282. Demnach wären zwar noch 33 Plätze frei, aber nur in den Gruppen der 5- bis 6-Jährigen. Nutzlos für viele Eltern mit kleineren Kindern.

Einmal umsteigen

Anne-Cathrin Gaberle sucht seit zwei Jahren einen Kita-Platz in ihrer Nähe. „Überall bekomme ich Absagen“, sagt sie. Im Juli 2015 zog die damals 19-Jährige, die derzeit ihr Abitur nachholt, mit ihrem Freund nach Mahlsdorf-Süd. Vorher lebte die kleine Familie in Marzahn, dort hatte Jayden einen Kitaplatz bekommen. „Einige Kita-Leiter sagten mir, ich solle froh sein, überhaupt einen Platz zu haben“, berichtet sie.

Jeden Morgen 4.30 Uhr klingelt der Wecker, kurz vor 6 Uhr machen sich Anne-Cathrin Gaberle mit ihrem Sohn auf den Weg. Mehrere hundert Meter müssen erst  beide bis zur Bushaltestelle laufen, dort in den 108er steigen. 18 Minuten fährt der Bus bis zum Elsterwerdaer Platz in Biesdorf. Dort steigen sie um in die Linie 154 (verkehrt im 20-Minuten-Takt), um zur Jan-Petersen-Straße zu kommen. 7 Uhr sitzt Jayden, wenn alles gut geht und die Busse pünktlich sind, in der Kita. „Der Rückweg dauert aufgrund des Berufsverkehrs meist länger“, sagt Anne-Cathrin Gaberle. Gegen 15.30 Uhr wird Jayden abgeholt, gegen 17 Uhr ist er mit seiner Mutter zu Hause.

Volle Warteliste

Eine Lösung des Kita-Problems ist nicht in Sicht. Eine Mahlsdorfer Kita-Leiterin sagte gegenüber der Berliner Zeitung: „Schon jetzt sind alle Verträge unterzeichnet, für den kommenden Sommer sind wir voll.  Selbst auf unsere Warteliste kann ich niemanden mehr aufnehmen.“ Allein für Mahlsdorf erwartet das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf in zwei Jahren einen Bedarf von 1196 Kita-Plätzen, das sind  520 mehr als heute.

Anne-Cathrin Gaberle bliebe zur Änderung ihrer Situation wohl nur eine Klage vor dem Verwaltungsgericht. Ob diese erfolgreich wäre, ist fraglich. Bislang gibt es nur ein Urteil des Verwaltungsgerichts München, dass 30 Minuten Fahrweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln für zumutbar hält.