Ab dem 1. August haben auch die ein- bis dreijährigen Kinder einen Rechtsanspruch auf einen Platz haben. In Berlin gehen bereits jetzt 94 Prozent aller Drei- bis Sechsjährigen in die Kita oder in die Tagespflege. Auch der Anteil der noch jüngeren Kinder in den Kitas steigt. Von den Zweijährigen sind es in Berlin bereits fast 77 Prozent, bei Einjährigen 49 Prozent. In Brandenburg ist die Kita-Quote der Kinder sogar noch höher.

„Schon Ein- bis Dreijährige sind in der Regel länger in der Kita als die Erzieher selbst“, sagte Ulrike Rockmann, Präsidentin des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg, bei der Vorstellung des regionalen Bildungsberichtes 2012. Tatsächlich besuchen gut zwei Drittel der Unter-Dreijährigen eine Kita zwischen 35 und 60 Stunden pro Woche. In Brandenburg ist es ähnlich, wobei dort sogar ein Viertel der Unter-Dreijährigen länger als 45 Wochenstunden in der Kita bleibt – oft liegt das daran, dass die Eltern lange Wege zur Arbeit haben. Die Erzieher sind nicht so viele Stunden im Dienst. In Berlin haben sie eine durchschnittliche Arbeitswoche von 34,5 Stunden, in Brandenburg sind es eineinhalb Stunden weniger.

In Berlin wuchs in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der Kitas von 1800 auf 2050 Kitas, was einem Plus von 14 Prozent entspricht. Gleichzeitig aber stieg auch die Zahl der Kita-Kinder um zehn Prozent. Unterrepräsentiert sind Migrantenkinder. In Berliner Kitas beträgt der Anteil der Migrantenkinder 32 Prozent, der tatsächliche Bevölkerungsanteil liegt aber inzwischen bei 43 Prozent, wie Rockmann sagte. Gerade Migranten, die zu Hause nicht Deutsch sprechen, schicken ihre Kinder besonders oft gar nicht oder zumindest spät in die Kita.

Staatliche Kitas sind viel flexibler

Auch in Brandenburg wuchs die Zahl der Kita-Plätze binnen fünf Jahren um elf Prozent, die Zahl der Kitas stieg um fünf Prozent auf 1800 Tageseinrichtungen. Während sich in Brandenburg staatliche Kitas und solche in freier Trägerschaft ungefähr die Waage halten, sieht die Situation in Berlin ganz anders aus. Hier wuchs die Zahl der Kitas in freier Trägerschaft auf 1775 Einrichtungen an, während die Zahl der bezirklichen Eigenbetriebe mit 277 Kitas recht stabil blieb.

Auffällig ist dabei, dass staatliche Kitas viel flexibler bei den Öffnungszeiten sind, viel häufiger als freie Kitas schon vor 7 Uhr oder bis 18 Uhr und darüber hinaus offen sind. Nicht wenige freie Kitas versuchen hier, Kosten zu sparen. Zugenommen hat in beiden Ländern die Zahl der Tagesmütter oder -väter, die mehrere Kinder meist zu Hause betreuen. In Berlin sind es 1600 und in Brandenburg 1265 Personen, wobei je ein Drittel nicht wirklich pädagogisch ausgebildet ist.

Generell leben in Berlin mehr Kinder unter 6 Jahren mit dem Risiko, keinen Schulabschluss zu schaffen, als in Brandenburg: In der Hauptstadt gelten nämlich 18 Prozent der Eltern als bildungsfern. Das heißt: Sie haben weder einen Berufsabschluss noch wenigstens die Fachhochschulreife. In Brandenburg liegt diese Quote nur bei 5 Prozent. Dies sei unter anderem eine Folge des DDR-Schulsystems, in das oft eine Berufsausbildung integriert war, stellte Rockmann klar.

Auch soziale und finanzielle Risiken durch Erwerbslosigkeit seien in Berlin etwas größer als in Brandenburg. Je geringer die Zahl bildungsferner Eltern in einem Bezirk sei, desto besser schneiden Kita-Kinder bei den Sprachtests vor der Einschulung ab, sagte Rockmann. Pankow und Treptow-Köpenick erzielen deshalb Spitzenwerte, Mitte ist Schlusslicht.