Berlin - Nicht nur beim Eisenbahnverein Hei Na Ganzlin in Waren an der Müritz waren zwei verurteilte beziehungsweise angeklagte Kinderschänder tätig, die wegen entsprechender Delikte bei der Berliner Parkeisenbahn gefeuert wurden. Inzwischen soll die Polizei auch Hinweise prüfen, wonach mindestens drei weitere Berliner Beschuldigte zu einem Schmalspurbahn-Verein im Norden Brandenburgs gewechselt sein sollen. Einer von ihnen, ein 37-Jähriger, der es in der Wuhlheide bis zum Betriebsleiter gebracht hatte, war im Juni wegen Missbrauchs von Schutzbefohlenen zu neun Monaten Bewährung verurteilt worden. Gegen den anderen steht ein Prozess bevor.

Erweitertes polizeiliches Führungszeugnis

Insgesamt hat die Staatsanwaltschaft sechs ehemalige Mitarbeiter der Parkeisenbahn in der Berliner Wuhlheide wegen Missbrauchs angeklagt. Alle Beschuldigte wurden inzwischen aus dem Verein ausgeschlossen. Nach ihrem Rauswurf sahen sich die Pädophilen aber nach neuen Wirkungsstätten um – und kamen auch problemlos unter. Etwa bei dem Eisenbahnverein Hei Na Ganzlin, der seinen Sitz in Waren an der Müritz hat und in Bernau einen Lockschuppen betreibt (wir berichteten). Der damalige Vorstand ignorierte eine entsprechende Warnung der Polizei: Schon 2010 habe die Berliner Polizei ihre Kollegen in Waren über die Gefahr informiert, die etwa von Tobias N. und einem weiteren Ex-Parkeisenbahner ausgehe, sagte ein Ermittler. Die Warener Kollegen hätten dann den Verein informiert. Doch der inzwischen abgelöste Vereinsvorstand reagierte nicht und duldete das Treiben von Tobias N.. Dieser ist, wie berichtet, zweimal wegen Kindesmissbrauchs zu Bewährungsstrafen verurteilt worden.

Bei der Berliner Parkeisenbahn wurde der erste schwere Missbrauchsfall bereits Anfang 2010 bekannt, jedoch nicht angezeigt. Erst jetzt zog die Parkeisenbahn Konsequenzen: Verbliebene und neue Mitarbeiter müssen ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Der Verein zog auch einen Fachberater eines Vereins hinzu, der auf die Prävention sexueller Gewalt spezialisiert ist. Vorerst macht der Verein gute Miene zum bösen Spiel – und lädt demnächst wieder zur Nikolaus-Fahrt mit einer Überraschung für die kleinen Gäste ein. Es herrsche eine große Nachfrage nach den Fahrkarten, heißt es auf der Webseite der Parkeisenbahn.