Berlin - Heinz Herde wollte am Sonntag gegen 8.30 Uhr eigentlich zum Bäcker gehen und dabei gleich seinen Müll rausbringen. Doch auf dem Hinterhof des Hauses Spandauer Damm 60 in Charlottenburg machte der 67-Jährige einen grausigen Fund. Vor den parkenden Autos lag ein blauer Müllsack. Er war nicht zugeschnürt. „Es ragten zwei Füßchen und ein Händchen heraus“, sagte der Rentner, noch zwei Stunden später sichtlich erschüttert. Ihm sei übel geworden. Denn in dem Plastiksack befand sich ein toter Säugling, eingewickelt in eine Decke und Zeitungen. Ein Junge, stellte sich später heraus. Herde alarmierte Polizei und Feuerwehr. „Nach drei Minuten waren sie da.“ Die 6. Mordkommission übernahm den Fall. Der Hof sowie das Haus wurden für die Spurensuche abgeriegelt und erst gegen 13 Uhr wieder freigegeben.

Der Säugling war aus der Wohnung im fünften Stock des sechsgeschossigen Wohnhauses geworfen worden. Dafür gibt es laut einem Polizeisprecher eindeutige Hinweise. Vor der Wohnungstür wurden blutverschmierte Tücher und Windeln gefunden. Die 40-jährige Mieterin Ines D., die das Kind geboren hatte, ihre 15-jährige Tochter und der 44-jährige Lebensgefährte der Frau wurden zur Vernehmung gebracht. Ines D. war zuvor in einer Klinik ambulant behandelt worden. Der Hund der 40-Jährigen, ein Rottweiler-Mischling, wurde ebenfalls abgeholt und in die Tiersammelstelle gebracht.

In dem etwas heruntergekommenen Gebäude aus den 60er-Jahren wohnen vor allem arme Familien und Hartz-IV-Empfänger. Man habe nicht viel Kontakt miteinander, sagte eine Frau, die ihren Hund durch die Polizeiabsperrung zum Gassi-Gehen brachte. Die 40-Jährige sei nicht weiter aufgefallen, sagte eine andere Hausbewohnerin. Andere Mieter berichteten allerdings, dass die Frau ständig versucht habe, ihren Baby-Bauch zu verstecken.