Kino-Film „Doppelleben“: Viele Floskeln und inhaltlich nichts

Als mir das erste Mal jemand sagte, ich sehe aus wie Angela Merkel, war das für mich ein Schlag ins Gesicht“, sagt Susanne Knoll. Die Hausfrau aus Lübeck hat sich schnell davon erholt. Mehrere Jahre war sie als Double von Angela Merkel unterwegs. Sie sagt, sie habe durch den Job als Doppelgängerin neue Impulse für ihr Leben bekommen. Jetzt schildert ein Dokumentarfilm ihre Erfahrungen.

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Am Montag hatte „Doppelleben“ von Regisseur Douglas Wolfsperger im Hackesche-Höfe-Kino Premiere, ab morgen ist er regulär in den Kinos zu sehen. Wolfsperger möchte mit seiner Dokumentation zeigen, „wie die vorübergehende Annahme einer fremden Identität die Wahrnehmung definieren, aber auch verzerren kann“ – so steht es in der Ankündigung des Films.

Susanne Knoll erzählt viel von ihrem Werdegang bis zum Kanzlerinnen-Double, wie sie jede Herausforderung mit Bravour gemeistert habe. Sie zeigt dabei aber vor allem, dass sie sich den Politiker-Jargon meisterlich angeeignet hat. Hinter ihre Fassade kann man genauso wenig blicken wie hinter die ihres prominenten Vorbildes. Persönliches wie eine Scheidung und eine schwere Erkrankung taucht nur beiläufig auf. Fast hat man den Eindruck, dass der Regisseur ihr nicht zu nahe treten will.

Dabei hätte man doch so viele Fragen stellen können. Schon allein, um zu begreifen, wie ihr Job funktionierte. So berichtet Susanne Knoll im Film von ihrem ersten Auftritt als Kanzlerin: Eine Rede bei einem Großkonzern zum Thema Energiepolitik. Nur zwei Mitarbeiter seien eingeweiht gewesen, dass es sich bei der Rednerin nicht um die echte Kanzlerin handelt. Welche Firma heuert eine falsche Kanzlerin an? Und warum? Von der Doppelgängerin gibt es nach der Filmvorführungen auch keine Erklärung dafür.

Nur den einen Satz: „Ich habe es genau so gemacht, wie Merkel in der Realität: Mit vielen Floskeln inhaltlich nichts gesagt.“ Vermutlichen denken die Mitarbeiter des Unternehmens noch heute, dass sie die wahre Kanzlerin gesehen haben.
Da die Hauptakteure, Susanne Knoll und ein Bill Clinton-Double, einfach nicht griffig genug sind, suchen sich die Zuschauer einen anderen Helden. Jochen Florstedt, Inhaber einer Doppelgängeragentur, präsentiert sich so arrogant und selbstbezogen, dass er absolut authentisch wirkt.

Er bezeichnet Kollegen als „Pappnasen“ und betont bei jeder Gelegenheit die Wichtigkeit seiner Person. „Eigentlich müsste ich viel mehr Geld verdienen“, sagt der Mann mit den Gel-Haaren und der Intellektuellen-Brille. Fortan wird jeder seiner Auftritte im Film mit Johlen begrüßt.

Der Manager ist besonders empört darüber, dass Susanne Knoll ihn – ihren Entdecker und Förderer – nicht mehr anruft. Dafür hat Frau Knoll aber einen guten Grund. Vor gut zwei Jahren entschied sie sich, ihr altes Leben aufzugeben. Sie gründete mit ihrer Tochter eine Tanzschule in Lübeck. Auf ein Leben als Politikerin möchte sie dennoch nicht ganz verzichten.

Mittlerweile engagiert sie sich in der Kommunalpolitik – diesmal als Original und nicht als Double. Ihr Erfolg dabei fällt aber eher mäßig aus. Vielleicht weil sie sich mit der SPD die falsche Partei ausgesucht hat. Trotzdem wird sie im Film gefragt, ob sie sich vorstellen kann, Bundeskanzlerin zu werden. Ihre Antwort ist ausweichend. Besser könnte es Angela Merkel nicht machen.