Berlin - In den Wellen des Mittelmeeres finden junge Palästinenser ein Stück Freiheit. Krieg und Leid können sie beim Surfen vergessen, die perfekte Welle ist für kurze Zeit bedeutender. „Gaza Surf Club“ heißt der Dokumentarfilm über die Surfer-Szene am Strand des Gazastreifens.

Der Film startet am 30. März in den deutschen Kinos. In Berlin ist er erstmals im Kino Klick zu sehen, die Filmemacher werden anwesend sein. Es ist ein doppelte Premiere, eine für den Film, eine für das Kino.

Denn nach 13 Jahren wird das Charlottenburger Kino in der Windscheidstraße wiedereröffnen, als Programmkino, was es viele Jahrzehnte lang war. Das Kino nahe am Stuttgarter Platz gibt es seit 1911, im Jahr 2004 musste es wegen Mietschulden schließen. Der alte Saal mit seinen 83 Sitzen blieb erhalten, dort gab es fortan Feiern und Filmabende, der Berliner Regisseur Patrick Banush zeigte dort seine Filmreihe Mädchenkino.

Die Kinobetreiber sind Kenner der Filmbranche

Im vorderen Teil des Hauses haben die Mitarbeiterinnen des Online-Shops Dawanda, ein Verkaufsportal für ausgefallene und selbst gemachte Mode und andere Dinge, ein gemütliches Café mit großen Fenstern zur Straße eingerichtet.

Die beiden Kinobetreiber des Klick kennen sich gut aus in der Filmbranche. Claudia Rische betreibt eine Agentur für Filme und Kulturprojekte, Christos Acrivulis gründete 2007 den unabhängigen Filmverleih Missingfilms, eine Plattform für Nachwuchsregisseure.

Die beiden kennen viele Filme und etliche Kollegen, aber vom Publikum bekamen sie nicht so viel mit. Das wird jetzt anders. „Wir werden unsere Zuschauer persönlich kennenlernen“, sagt Acrivulis. Er glaubt trotz zunehmenden Präsens von Streaming-Diensten wie Netflix und Amazon an die Zukunft von Kinos. „Dort herrscht nun mal eine ganz besondere Atmosphäre.“

Das Klick wird wieder ein „klassisches Programmkino“

Pro Woche werden in Deutschland etwa 15 bis 20 neue Filme veröffentlicht, manche werden nur wenige Male oder nur einige Tage gezeigt, es gibt auch Produktionen, die nur einmal im Programm stehen. „Guten Filmen wollen wir eine Chance geben“, sagt Acrivulis.

Das Klick wird wieder ein „klassisches Programmkino“: mit Arthouse-Filmen, Dokumentationen und Kurzfilmen, jeden Tag zwei Vorführungen, 18 und 20 Uhr. Vor den Spätvorstellungen sehen die Zuschauer einen Kurzfilme von Berliner Filmstudenten, am Wochenende kommen auch Filme für Kinder ins Programm.

Im Vorführraum stehen ein 35-Millimeter-Filmprojektor und ein Beamer; für eine komplett digitalisierte Vorführtechnik fehlt das Geld. Acrivulis sagt, das Kino Klick werde wohl ein „Liebhaberprojekt“ bleiben. Viel Geld verdient man damit nicht.

Es gibt mehrere Kino-Neugründungen

Doch offenbar lohnt es sich, in Berlin ein Kino zu eröffnen. Der vor einigen Jahren befürchtete Niedergang der Kinos ist nicht eingetreten. „Berlin geht es als Kinohauptstadt sehr gut“, sagt Christian Berg, Kinobeauftragter des Medienboard Berlin-Brandenburg.

In den vergangenen drei Jahren gab es einige Neugründungen und erfolgreiche Wiedereröffnungen. Im früheren französischen Kulturinstitut an der Müllerstraße eröffnete das City Wedding. In Neukölln gründeten italienische Filmfreunde das Il Kino in der Nansenstraße, nicht weit davon entfernt, in der Weserstraße, baute ein Künstlerkollektiv mit einer Crowdfunding-Aktion ein früheres Bordell zum Kino um. Wolf heißt das Projekt.

Das Kino Eiszeit in der Kreuzberger Eisenbahnstraße hat vor einem Jahr wiedereröffnet, auch dort führen zwei Kenner der Kinobranche die Geschäfte des früheren Hausbesetzerkinos, das heute vollautomatisch betrieben wird.

Filmkunstfilme sind in Berlin besonders beliebt

In der City-West eröffnet die Yorck-Gruppe Anfang Juli ein neues Arthouse-Kino, das Delphi Lux. Im Yva-Bogen, der Passage zwischen Kant- und Hardenbergstraße, wird es dann neues Lichtspielhaus mit etwa 650 Plätzen, sieben unterschiedlich großen Sälen und einer Bar geben. „Die Berliner gehen wieder gern ins Kino“, sagt Geschäftsführer Christian Bräuer.

Filmkunstfilme liefen in Berlin besser als im Rest der Republik. Bräuer sagt, in Berlin gebe ein sehr agiles, interessiertes und generationsübergreifendes Publikum.

Ein Betreiberwechsel wird in den kommenden Monaten für das Kino Toni in Weißensee erwartet. Es gehört dem Filmregisseur Michael Verhoeven, der das Kino am Antonplatz verkaufen will. Das Haus soll als Kino erhalten bleiben. Am Ostkreuz hat sich das Kino Zukunft in der Laskerstraße etabliert, es ist spezialisiert auf Indie-Filme und hausgebrautes Bier.

Auch das Mädchenkino hat einen neuen Spielort gefunden

Die nächste Wiedereröffnung wird es wohl in Prenzlauer Berg geben. Im Zeiss-Großplanetarium an der Prenzlauer Allee soll im Herbst der Kinosaal mit digitaler Anlage starten. In dem kleinen Vorführkino aus DDR-Zeiten werden dann naturwissenschaftliche Dokumentationen gezeigt, für Schulklassen und Erwachsene.

Auch das Mädchenkino von Patrick Banush, der einst das leere Kino Klick nutzen durfte, hat einen neuen Spielort gefunden. Vom 21. April bis 12. Mai wird es an vier Freitagen Filmabende im Bücherbogen am Savignyplatz geben.