Kino in Cottbus: Legendärer Weltspiegel wird für 1,2 Millionen Euro zwangsversteigert

Cottbus - Die Zwangsversteigerung des ältesten Kinos im Land Brandenburg endete am Dienstag mit einer Überraschung: Das Mindestgebot für den altehrwürdige Weltspiegel in Cottbus lag bei 959.000 Euro, doch das im Jahre 1911 eröffnete Kino ging nicht an den Berliner Kinobetreiber, der das erste Gebot im Amtsgericht Cottbus abgegeben hatte.

Den Zuschlag bekam für 1,2 Millionen Euro die Sparkasse Spree-Neiße. „Das ist genau jene Sparkasse, die für die Zwangsversteigerung gesorgt hat“, sagte  Peter Merz, Sprecher des Amtsgerichts Cottbus. „Die Sparkasse ist nun Eigentümerin des Gebäudes.“

Insolvenz seit 2014

Bei dieser Sparkasse hatte der bisherige Besitzer, Ralf Zarnoch, auch seine Kredite für die Sanierung des Haues erhalten und sich dort hoch verschuldet. Der 48-Jährige   hatte das denkmalgeschützte Haus im Jahr 2004 erworben und es aufwändig, sehr vorbildlich und auch sehr schön saniert.

Doch 2014 musste Zarnoch, der    im Haus  auch das Kino selbst betreibt,  Insolvenz anmelden, denn er hatte Probleme mit den Krediten. „Wir haben mit unserem Kulturprogramm nicht etwa Miese gemacht“, sagte er. „Doch leider reichte unser Gewinn  einfach nicht aus, um die Kredite an die Sparkasse zurück zahlen zu können.“

Er selbst findet es  gar nicht so ungewöhnlich, dass die Sparkasse als  Hauptgläubiger das Kino  übernommen hat, denn die Bank habe für die Sanierung  2,5 Millionen Euro an  Krediten gegeben, dazu kamen Fördermittel in Höhe von einer Million Euro. „Dass die Sparkasse sich das Haus nun sichert, kann man nachvollziehen“, sagte er.

Die Sparkasse will sich bislang noch nicht zu ihren Plänen äußern. Doch Zarnoch sieht die Zukunft  optimistisch. „Wir setzen den Kinobetrieb in den nächsten Tagen fort“, sagte er. Der Insolvenzverwalter wolle mit der Sparkasse nun so schnell wie möglich einen Mietvertrag aushandeln. „Ich würde unsere Arbeit hier gern mit meinem Team fortsetzen“, sagte der Kinochef. Im Haus arbeiten vier feste  Mitarbeiter und 15 Pauschalkräfte.

Das Hauptproblem beim Weltspiegel war, dass er quasi im laufenden Betrieb saniert wurde. Die denkmalschützerischen Arbeiten blieben alle im Kostenrahmen, aber ein Großteil der anderen Arbeiten hat sich deutlich verteuert.

„Weltspiegel“ ist bundesweit das zweitälteste Lichtspielhaus

Die Sanierung verzögerte sich immer weiter und geriet in die Zeit des Konjunkturpaketes der Bundesregierung ab 2008, als plötzlich sehr viel Geld für Infrastrukturbauten da waren. Innerhalb kurzer Zeit stiegen die Preise für Material und  es war auch sehr schwer, überhaupt noch Bauleute zu den geplanten Kosten zu bekommen.

In der Filmbranche der Region Berlin-Brandenburg wird davon ausgegangen, dass der „Weltspiegel“ als Kino erhalten bleibt. Es ist nicht nur Brandenburgs ältestes Kino, sondern bundesweit das zweitälteste Lichtspielhaus, das noch immer als solches betrieben wird. Es wurde 1911 eröffnet, vier Jahre nach dem ältesten Haus, das bundesweit noch immer Filme zeigt. Das ist das 1907 gegründete „Kinematographentheater Topp“ in Berlin-Kreuzberg, das schon lange Moviemento heißt.

„Ich gehe davon aus, dass der Weltspiegel ein Kino bleibt“, sagte Christian Berg, der früher selbst Filmverleiher war und nun Kinobeauftragter beim Medienboard Berlin-Brandenburg ist. „Denn das Haus steht als Kino unter Denkmalschutz.“ Für die Fördermittel, die in dieses Haus geflossen sind, gibt es eine Zweckbindung. „Das heißt: Es gibt eine Bindung der Fördermittel an den Betrieb eines Kinos. Es darf  nicht  zweckentfremdet werden“, sagte er. „Da kann man also nicht einfach ein  Einkaufszentrum oder eine Wellnessoase draus machen.“

Grundsätzlich hat das Kino Weltspiegel in der Cottbuser Innenstadt einen guten Standort. Auch die Ausstattung mit einem großen Saal für 500 Zuschauer und zwei kleineren Sälen gilt als sehr gut. Obwohl Cottbus die zweitgrößte Stadt im Land mit etwa 100.000 Einwohnern ist, gibt es nur zwei Kinos: den Weltspiegel und ein Multiplex am Stadtrand.

Grundversorgung sichern

Das Großkino spielt klassischerweise Popcornfilme für die Jugendlichen, im Weltspiegel laufen auch anspruchsvollere Filme. Als nächstes größere Ereignis wird dort der  Film „Der junge Karl Marx“ gezeigt – mit anschließender Gesprächsrunde mit dem Regisseur. Doch der Weltspiegel konnte nicht vom Kino allein leben und veranstaltete immer auch andere Kulturveranstaltungen oder verdiente Geld mit der Ausrichtung von großen Jugendweihe-Feiern.

„Es ist wichtig, dass möglichst viele Kinos in Brandenburg erhalten bleiben“, sagte Christian Berg. Denn Brandenburg erlebt ein  langwieriges Kinosterben.   Landesweit gibt es nach Angaben der Filmförderanstalt nur noch 37 Kinostandorte. Im Jahr 2001 lag die Zahl noch bei 54 Kinos. „In Brandenburg ist es  anders als in Berlin, wo wir eine echte Luxusversorgung mit fast 100 Kinos haben.“ Da gebe es für jeden Geschmack etwas, und es werden sogar neue Kinos eröffnet wie  gerade das Wolf in Neukölln.

„Wir müssen darauf achten, dass keines der kleinen Kinos in Brandenburg wegbricht“, sagt Berg, „denn  jedes einzelne  ist ein Hort kultureller Grundversorgung in den  Städten.“ Die Kinos spielen nicht nur Filme, sondern sind Orte, zu denen die Kulturinteressierten aus der gesamten Region kommen, weil dort auch Lesungen, Konzerte,  Kabarettabende geboten  werden oder auch  Theateraufführungen.

In Cottbus kommt dazu, dass der eindrucksvolle Jugendstilbau des Weltspiegel nicht nur als  wichtigstes architektonisches Kleinod der Stadt gilt. Sondern das Haus spielt auch von zentraler Rolle für das alljährliche Festival des osteuropäischen Films, das in diesem Jahr zum 27. Mal stattfindet und weltweit zu den 50  wichtigsten Festivals gezählt wird. Der Weltspiegel ist nach der Stadthalle die zweitwichtigste Spielstätte des Festivals.

Sonderreihen mit Anspruch

„Das Problem ist: Je größer das Kino, umso mehr Besucher benötigen die Betreiber, um es rentabel zu betreiben“, sagte Jürgen Bretschneider vom Brandenburger Filmverband. Dies sei meist nur mit Mainstream-Filmen möglich.

Deshalb veranstaltet der Verband auch die „Schulkinowochen“ oder die Aktion „Filmernst“, bei denen auch anspruchsvolle Filme gezeigt werden. „Damit haben wir im vergangenen Jahr fast 35.000 Zuschauer erreicht.“