Berlin - Viel Zeit haben die Mitglieder der Bürgerinitiative, die das Traditionskino Kurbel retten wollen, nicht mehr. Denn der Eigentümer bleibt hart. „Die Schließung ist definitiv“, sagt Symcha Karolinski. Am 21. Dezember wird in der Kurbel in der Giesebrechtstraße in Charlottenburg letztmalig ein Film zu sehen sein – der US-Klassiker „Vom Winde verweht“ von Regisseur Victor Fleming. Die Filmauswahl für die letzte Vorstellung hat übrigens einen Hintergrund: Das Schmacht-Drama mit Clark Gable und Vivien Leigh lief in der Kurbel von 1954 bis 1956 immerhin 28 Monate ohne Unterbrechung.

Geht es nach dem Willen der Anwohner soll das Kino offen bleiben. Dafür sammeln sie Unterschriften. Dabei haben sie prominente Unterstützer bekommen. Kunst-Mäzen Peter Raue etwa will, dass die Kurbel weitermacht, ebenso Schauspieler Hilmar Thate. Es gibt eine Internetseite namens www.rettetdiekurbel.blogspot.com und auch bei Facebook sind die Fans längst aktiv geworden.

Einfach zu viele Kinos in Berlin

Trotzdem, Kino-Eigentümer Karolinski sieht keine Chance mehr: „Die Leute, die heute Krokodilstränen weinen, müssen erst einmal nachrechnen, wann sie das letzte Mal überhaupt in der Kurbel gewesen sind.“ Der 63-Jährige spricht von einem „sehr hohen sechsstelligen Verlust“, den er in den vergangenen fünf Jahren mit dem 600-Sitze-Kino gemacht hat. Um das Kino wirtschaftlich betreiben zu können, wären pro Jahr rund 180.000 Besucher nötig gewesen, sagt er. Gekommen seien aber durchschnittlich nur 65.000. Berlin habe einfach zu viele Kinos, sagt Karolinski. Und er verweist auf München. Dort gebe es nur ein Multiplexkino, in Berlin seien es dagegen schon 13.

Statt des Filmtheaters wird es nun in der Giesebrechtstraße 4 im ersten Stock Mietwohnungen geben, zu ebener Erde „kiezspezifischen Handel“. Was das genau sein soll, verrät der Besitzer allerdings nicht. Auf jeden Fall „keine Gastronomie und auch kein Aldi oder Schlecker“.