Es wird keinen Abspann geben, kein trauriges Ende und keine Schließung. Ein Kapitel endet, aber nicht die Geschichte. Fortsetzung folgt. So lassen sich die Neuigkeiten um das fast 100 Jahre alte Traditionskino Toni in Weißensee wohl am besten beschreiben.

Der Eigentümer des Kinos, Filmregisseur Michael Verhoeven, hat das komplette Lichtspielhaus mit seinen beiden Kinosälen Toni und Tonino verkauft. Neue Eigentümer sind Torsten Frehse und Matthias Mücke vom unabhängigen Berliner Filmverleih Neue Visionen aus Prenzlauer Berg.

Verpflichtung für zehn Jahre

Die neuen Besitzer erfüllen die wichtigste Forderung des 79 Jahre alten Filmkünstlers („Die weiße Rose“): „Die neuen Eigentümer haben sich verpflichtet, das Toni und das Tonino weitere zehn Jahre als Kino zu betreiben“, sagte Michael Verhoeven der Berliner Zeitung.

Damit bleibt das Kino Toni als Kulturstätte in Weißensee erhalten. Was nicht zwingend erforderlich gewesen wäre. Denn Verhoeven hätte das Gebäude mit mehreren Wohnungen und einem Dachgeschoss auch als reine Immobilie ohne Nutzungsbedingungen verkaufen können.

Das Haus befindet sich an einer lukrativer Stelle, direkt am Antonplatz, direkt an der Straßenbahnhaltestelle, nicht weit entfernt vom Weißen See. Es gab keinerlei Auflagen, das Kino als solches zu erhalten.

Doch Verhoven ist kein Immobilienhändler, sondern ein erfolgreicher Regisseur, ein Filmfreund und Cineast, der in den Fünfzigerjahren als Schauspieler und später als Regisseur und Drehbuchautor bekannt wurde. Er bekam etliche Film- und Kritikerpreise verliehen, 1999 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.

Verhoevens jüngste Auszeichnung war der Bayrische Filmpreis im Jahr 2016 in der Kategorie Beste Produktion für den Film „Willkommen bei den Hartmanns“. 25 Jahre lang gehörte das Kino Toni dem Münchner Filmemacher. Verhoeven kaufte es 1992 von der Treuhand und ließ es bei laufendem Betrieb umbauen. Fortan hatte das Kino zwei Säle: einen großen Vorführraum mit 275 Plätzen und einen kleineren, das Tonino, mit 102 Plätzen.

Zum Filmprogramm gehören deutsche und europäische anspruchsvolle Art-House-Produktionen sowie Filme aus der DDR und Kinderfilme. Das ist bis heute so. Viele Jahre lang musste Verhoeven das Kino mit privaten Subventionen am Laufen halten, er finanzierte den Betrieb zur Hälfte aus eigener Tasche. Die Besucherzahlen waren rapide gesunken: von 120.000 Zuschauern im Jahr 1997 auf etwa 35.000 im Jahr 2005.

In den vergangenen Jahren hat sich die wirtschaftliche Lage des Filmtheaters offenbar verbessert, es kommen wieder mehr Besucher. Vor zwei Jahren sagte Verhoeven, er brauche kein privates Geld mehr in sein Kino zu stecken.

Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits bekannt gegeben, sich vom Kino Toni zu trennen. Verhoeven lebt in München, er führt dort seit mehr als 50 Jahren mit seiner Ehefrau Senta Berger die Filmproduktionsfirma Sentana.

„Der Grund meiner Verkaufsabsicht ist mein fortgeschrittenes Alter“, sagte er. Zwei Jahre wollte er sich Zeit lassen, einen neuen Eigentümer zu finden. Dann würde auch die Leiterin des Kinos in Rente gehen, dann sollte ein neuer Eigentümer das Lichtspielhaus in seinem Sinne weiterführen.

Von langwierigen und komplizierten Verhandlungen sprechen Beteiligte. Das Auswahlverfahren sei schwierig gewesen. Anfangs gab es etwa 20 Interessenten, sechs blieben nach einer ersten Sichtung übrig. Am Ende waren es noch drei. Dann entschied sich Verhoeven für den Berliner Filmverleih. Und hielt seinen Zeitplan ein.

Die neuen Betreiber wollen sich derzeit noch nicht zu ihrer neuen Spielstätte äußern. Am kommenden Mittwoch ist ein erstes Treffen mit den Mitarbeitern im Toni geplant. Fest steht, sie werden übernommen.

Für die Kinobesucher im Toni könnte sich der Besitzerwechsel im kommenden Jahr ohne spürbare Folgen vollziehen. Gut möglich, dass sich das Programm kaum verändert. Neue Visionen konzentriert sich auf europäische Filmkunst, sozialkritische Filme, engagierte Dokumentarfilme sowie junges deutschsprachiges Kino.

Zum aktuellen Verleih gehören etwa Filme wie „Der junge Karl Marx“ , „Lieber Leben“ und „Monsieur Claude und seine Töchter“. Auch das Toni hat Filme dieses Verleihs im Programm.