Das Filmtheater Colosseum an der Schönhauser Allee: eröffnet vor fast 100 Jahren, umgebaut in den Neunzigern, insolvent 2020.
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BerlinKleiner Blick in die Preisliste eines bekannten Lieferdienstes für warme Speisen. 8,50 Euro kostet die kross gebackene Ente mit Erdnusssoße aus dem Asia-Restaurant in einem nördlichen Außenbezirk, 7 Euro glatt das vegetarische Sushi-Menü. Für 30 Euro wird eine vierköpfige Familie satt. Die Getränke kommen aus dem Kühlschrank, die Chips aus der Tüte, der Film aus dem Internet – fertig ist der Freitagabend.

Und jetzt ein Blick in die Preislisten der Berliner Multiplex-Kinos. Gut zehn Euro kostet der Eintritt, dazu kommen diverse Zuschläge, Getränke, Popcorn und Parkgebühren. Die vierköpfige Familie zahlt am Ende mehr als doppelt so viel wie für ihren Wohnzimmerabend.

Wenn jetzt das traditionsreiche Colosseum-Kino an der Schönhauser Allee schließt, dann ist die Corona-Krise nur vordergründig der Auslöser. Tatsächlich machen Netflix, Lieferando & Co. dem Publikum der Multiplex-Häuser längst das bessere Angebot. Deren Geschäftsmodell scheitert in Berlin reihenweise  an der digitalen Übermacht. Das UCI-Kino an der Landsberger Allee ist längst dicht, das CineStar am Potsdamer Platz auch, das Kino am Treptower Park soll einem Bürogebäude weichen.

Muss man das bedauern? Man muss es sogar betrauern. Jahrzehntelang war das Kino ein Massenspaß im positivsten Sinn. Hier begegneten sich Arme und Reiche, schlaue und schlichte Gemüter, Teenies und Rentner. Jetzt haben nur noch solche Häuser Erfolg, die sich an ein ökonomisch und soziokulturell erlesenes Publikum richten.  Das Delphi-Lux oder das Wolf-Kino in Neukölln sind Beispiele für solche Neueröffnungen. Sie sind wundervolle Liebhaberprojekte von Cineasten für Cineasten. Hier bleiben Menschen unter sich, die auch sonst viele Vorstellungen und Werte teilen. Der Film bleibt ein Medium für alle. Aber das Kino wird zum Elitenvergnügen.