Kino: Zoo Palast öffnet wieder

Berlin - Hans-Joachim Flebbe hat es sich gemütlich gemacht. Er fläzt sich in einen Kinosessel mit jeder Menge Freiheit für Arme und Beine. Wenn er sich nach hinten lehnt, fährt ein Fußteil aus. Irgendwann liegt man eher, als dass man sitzt. Ganz hinten wird man auf Wunsch sogar bedient. Dieser Komfort ist Flebbes Werk. Er ist der Herr des neuen Zoo Palasts, des neuen „Grand Cinema“ für Berlin, wie er es nennt. Große Worte, die er selbst demnächst einlösen muss. Nach dreijährigem Umbau wird das Kino am 27. November wiedereröffnet.

Eine Gästeliste mit 800 Vertretern der Filmindustrie, Politik und Wirtschaft für diesen Abend zeigt, wie ernst der Neustart genommen wird. Der Zoo Palast gilt neben dem riesigen Hotel Waldorf Astoria als entscheidendes Mosaiksteinchen für ein rundum erneuertes Stadtquartier an der Gedächtniskirche.

Wohltuend altmodisch

Wenn im Frühjahr nebenan das Bikini Berlin mit zahlreichen Restaurants und Geschäften öffnet, stellt sich die Gegend östlich des Bahnhofs Zoo ganz neu und schick dar. Verstärkt wird dieser Eindruck spätestens 2016 noch einmal durch das Upper West an der Kantstraße, einem Büroturm mit einer Hotelkette als Hauptmieter. Wenn dann tatsächlich auch noch die wenig einladende Passage an der Joachimstaler Straße zwischen Hardenberg- und Kantstraße ersetzt werden sollte, hat sich die lange Zeit verschnarchte City West fast schon neu erfunden.

Inmitten dieses Modernisierungsfurors wird sich der neue Zoo Palast wohltuend altmodisch präsentieren. Dieser hat zwar statt zuletzt neun Kinosälen künftig nur noch sieben, der äußere Eindruck der Nachkriegsmoderne bleibt jedoch erhalten. Nicht nur die Fassade wurde originalgetreu belassen. Auch wurde die Wandtäfelung in die neue Zeit hinübergerettet.

Ebenso bleibt der große Saal bestehen, der zwar von zuletzt fast 1200 Sitzen auf 850 Sessel verkleinert werden soll, aber genügend Gelegenheit zum ganz großen Auftritt bietet. Von der Decke über die Wandbespannung bis hin zur Bühne mit drei Vorhängen orientiert man sich stark an der Charakteristik des Vorgänger-Hauses. Wenn Flebbe sagt, der Denkmalschutz sei mit diesen Plänen „sehr einverstanden“, glaubt man ihm das sofort.

Nicht auf den ersten Blick erkennbar ist die Technik. Ausgeklügelte Licht- und Soundsysteme (Flebbe: „Damit könnte man auch die Waldbühne beschallen“) sollen den Kinobesuch aufwerten. „Wir wollen, dass Kino ein Erlebnis ist. Wir wollen das inszenieren“, sagt er.

Das gilt für die größeren Säle. Eher intim sind dagegen die beiden Klubkinos, zwei kleine Säle im plüschigen Rot mit Bücherregalen. Darin stehen tatsächlich Bücher, doch die sind nur Deko. Schließlich sollen die Gäste Filme gucken und nicht lesen. Flebbe berichtet von einem Versuch eines Kinos in Frankfurt am Main, das seinen Gästen die Säle als Orte der Ruhe anbot. „Damit verdient man nichts“, sagt er. Und das wäre nun das Allerletzte, was er sich leisten kann und will.

5,5 Millionen Euro hat der Mann, der in den 90ern als Gründer der Cinemaxx-Kette als Totengräber der Kinokultur galt, in den Zoo Palast investiert. Jetzt, so hofft er, soll das neu-alte Kino an seinen jüngsten Erfolg anknüpfen. Seit drei Jahren betreibt Flebbe ein paar Hundert Meter weiter am Kudamm die Astor- Film-Lounge, die Kinogenuss für relativ viel Geld bietet. 100 000 Besucher werden dort jährlich gezählt, im Zoo Palast mit seinen insgesamt 1 650 Plätzen sollen es bis zu 600 000 werden – zu Preisen von 6,50 Euro für Kinder bis 13,50 Euro.