Templin - Da stehen sie auf dem großen weiten Marktplatz und feiern eine Nudelmesse. Es sind 15 Anhänger der „Kirche des Fliegenden Spaghetti-Monsters“, die sich am Sonntag in Templin (Uckermark) versammelt haben.

Diese, nun ja, Nudelgläubigen bezeichnen sich als eine Kirche, obwohl sie die christlichen und auch andere Kirchen als Abergläubige ansehen und selbst nur an die reine Lehre der Naturwissenschaften glauben. Auch an diesem Tag tragen sie Piratenkleidung, wie es üblich ist bei den „Pastafaris“, wie sie sich nennen. Sie lauschen dem Nudler, einer Art Priester, der an diesem Tag die Nudelmesse hält.

Zwei Polizisten lauschen der Spaghetti-Rede

Es ist Rüdiger Weida, auf dessen Grundstück vor den Toren von Templin jeden Freitag eine Nudelmesse stattfindet. Er steht da mit Rauschebart und weitem Gewand und redet. Dass sie durchaus ernst genommen werden, zeigt die Anwesenheit der Polizei. Ein Streifenwagen steht in der Nähe, auch die beiden Beamten lauschen der Rede.

Manche Leute bezeichnen diese Leute als Spinner und ihre Kirche als Religionsparodie. Sie selbst aber nehmen die Sache sehr ernst und kämpfen dafür, offiziell als Weltanschauungsgemeinschaft anerkannt zu werden. Dafür ziehen sie von Gericht zu Gericht. Nun aber hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, über diese Frage gar nicht erst entscheiden zu wollen.

Den Spaghetti-Fans wurde mitgeteilt, dass die Verfassungsbeschwerde „nicht zur Entscheidung angenommen wird, weil eine weltanschauliche Betätigung des Beschwerdeführers nicht plausibel gemacht wurde. Von einer Begründung im Übrigen wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen. Diese Entscheidung ist unanfechtbar.“

Streit der Pasta-Fans begann 2014

Klingt wie ein harter Schlag. Doch die Pastafaris zeigen sich hochzufrieden. „Wir ärgern uns nicht etwa, sondern freuen uns“, behauptet Weida. „Denn wenn das Bundesverfassungsgericht beschlossen hätte, darüber zu verhandeln, dann wäre die Entscheidung sowieso erst in fünf, sechs oder sieben Jahren gekommen.“ Sie seien davon ausgegangen, dass sie – wie bislang bei allen Prozessen in Brandenburg – auch beim Bundesverfassungsgericht kaum Chancen gehabt hätten.

„Wir waren uns von Anfang an relativ sicher, dass wir bis zum Europäischen Gerichtshof gehen müssen und haben uns von Anfang an darauf vorbereitet“, sagt Weida. Deshalb bedeute die aktuelle Entscheidung eine große Zeitersparnis, weil es nun direkt zum Europäischen Gerichtshof gehen kann. Dafür sei nun ein halbes Jahr Zeit. „Aber wir wollen es noch vor dem Ende dieses Jahres schaffen“, sagt Weida. Der Streit begann 2014, als die Pastafaris Hinweisschilder auf ihre Nudelmesse in Templin an jene Masten hängten, an denen für die Gottesdienste der evangelischen und katholischen Kirche geworben wird.

Klage auf Anerkennung als Weltanschauungsgemeinschaft

Es folgte ein Rechtsstreit, ob der zuständige Landesbetrieb tatsächlich die Erlaubnis erteilt hatte. Später verfügte die damalige Kulturministerin Sabine Kunst (SPD), dass es keine Glaubensgemeinschaft sei, sondern eine Religionsparodie „ohne ernsthafte religiöse Substanz“.

Zuletzt lehnte das Brandenburger Oberlandesgericht eine Klage auf Anerkennung als Weltanschauungsgemeinschaft ab. Daraufhin ging es zum Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe und nun nach Europa.

Diesen Gang müssen die Nudel-Gläubigen nicht scheuen – jedenfalls nicht finanziell. Auf dem Marktplatz von Templin stehen zwar nur etwas mehr als ein Dutzend Fans. Doch die bundesweite Anhängerschaft ist beachtlich. Bislang konnten die Vorkämpfer die notwendigen Tausenden von Euro immer ohne Probleme innerhalb kurzer Zeit über Spenden im Internet einsammeln.