Berlin - Für die Vikarin Carmen Häcker ging am Dienstag eine aufreibende Zeit zu Ende. Sie hatte ihre Ausbildung zur Pfarrerin abbrechen müssen, weil ihr die Württembergische Landeskirche den Ausbildungsvertrag gekündigt hatte. Die Begründung: Carmen Häcker hatte im August geheiratet, sich für den Pfarrdienst in der Württembergischen Landeskirche aber den falschen Partner gewählt: einen Moslem.

Zwar sieht auch das Pfarrdienstgesetz der konservativen Landeskirche in Württemberg Ausnahmen vor, die Regel aber ist: Wer in der evangelischen Kirche Pfarrer oder Pfarrerin werden will, sollte sich einen evangelischen Christen zum Ehepartner wählen.

Berliner Kirche liberaler

Dieses Gesetz kennt auch die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg. Nur handhabt sie es – wie einige andere Landeskirchen auch – liberaler. Der Fall Häcker jedenfalls wurde in mehreren Gesprächsrunden und Gremien der Evangelischen Kirche Deutschlands besprochen, bevor das Konsistorium der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Oberlausitz (EKBO) am Dienstag entschied, Carmen Häcker zum 1. Februar 2012 in den Pfarrer-Vorbereitungsdienst zu übernehmen.

Die EKBO ermöglicht der Vikarin also, was diese sich ausdrücklich gewünscht hatte, ihre Ausbildung fortsetzen zu können. „Wir freuen uns, eine kompetente und engagierte junge Frau bei uns begrüßen zu können“, sagte der Beauftragte der EKBO für Presse und Öffentlichkeitsarbeit, Pfarrer Volker Jastrzembski der Berliner Zeitung.

Die Übernahme Carmen Häckers in den Vorbereitungsdienst könne erfolgen, weil die Ausbildung in der EKBO einen anderen rechtlichen Rahmen habe als in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, erklärte Jastrzembski. In Württemberg führe der Vorbereitungsdienst direkt in das Pfarramt. Die Ausbildung in Berlin-Brandenburg sei dagegen anders strukturiert. Nach Abschluss des Vorbereitungsdienstes erfolge keine automatische Übernahme.

Einzelfallentscheidung

Häckers muslimischer Ehemann steht dem Dienst in der EKBO allerdings, anders als in Württemberg, nicht grundsätzlich im Weg. „Bei uns können Theologinnen und Theologen, die mit nichtchristlichen oder konfessionslosen Partnern verheiratet sind, nach einer Einzelfallentscheidung des Konsistoriums in den Pfarrdienst übernommen werden“, erklärte Jastrzembski. Die Voraussetzung ist allerdings, dass das Paar kirchlich heiratet, die gemeinsamen Kinder getauft werden und der Partner erklärt, den Dienst zu unterstützen. Entsprechende Fälle hat es bereits gegeben. Sie sind allerdings auch in Berlin die Ausnahme geblieben.
Carmen Häcker darf sich aber auch noch aus einem anderen Grund in der EKBO aufgenommen fühlen. Der interreligiöse Dialog ist für die Kirche im multikulturellen Berlin nicht nur eine Herausforderung, er hat bereits Tradition. Das gilt für den jüdisch-christlichen Dialog ebenso wie für den christlich-muslimischen. Carmen Häcker jedenfalls freut sich auf Berlin ebenso wie ihr Ehemann.