Berlin - Es weihnachtet sehr und das nun schon seit Wochen. Der Einzelhandel vermeldet kurz vor Heiligabend gute Umsätze und ist zufrieden, die Weihnachtsmärkte – zumindest die berühmten vor dem Schloss in Charlottenburg und auf dem Gendarmenmarkt in Berlin, in Dresden, in Nürnberg, in Lübeck oder München sind von Kunden und Touristen überlaufen. Am 24. Dezember aber, so gegen 14.00 Uhr, wird es auf den Straßen ganz still.

Die Geschäfte schließen, Parkplätze sind im Überfluss vorhanden und wenn das Wetter mitspielen würde, könnte man den Schnee rieseln hören. Jeder dritte Berufstätige fühlt sich laut einer Umfrage durch Weihnachten gestresst, vor allem arbeitende Frauen. Und 73 Prozent der Bevölkerung würden zum Fest am liebsten in den Urlaub fahren – in die Karibik oder Südostasien, also nicht Daheim bleiben und also auch nicht in die Kirche gehen.

Aber die meisten bleiben eben doch zu Hause und viele gehen dann am Heiligabend auch zu den Gottesdiensten, den Christmetten und Krippenspielen in die Kirche. Die Gläubigen unter ihnen, von denen es in Berlin angeblich immer mehr werden, sowieso. Aber auch konfessionslose und andere religionsferne Menschen treibt es mitsamt Kindern in die Kirche. Mancher von denen wird vielleicht nicht einmal wissen, dass der 24. Dezember kein Ich-bekomme-was-geschenkt-Tag ist, sondern der christliche Teil der Menschheit den Vorabend von Weihnachten feiert, das Fest der Geburt Jesu Christi.

Warum aber gehen so viele religionsferne Menschen am Heiligabend und zur Weihnachtszeit in die dann übervollen Kirchen, in denen es manchmal nicht einmal mehr Stehplätze gibt – und manche Gemeinden diskutieren, ob man Platzkarten an die „Stammgäste“ verteilen solle. Der Gründe gibt es viele: Es sind Kindheitserinnerungen und Familientraditionen, die Hoffnung auf Besinnlichkeit, die Sehnsucht nach Ruhe, das Gemeinschaftsgefühl sowie die Ahnung, dass zum Weihnachtsfest nicht nur Gänsebraten, Stollen und Geschenke gehören.