Berliner Kindergärten kehren in den Normalbetrieb zurück. 
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BerlinDie Kindertagesstätten in Berlin kehren ab Montag in zwei Schritten zum Normalbetrieb zurück. Trotz der Corona-Krise sollen bald alle Kinder wieder betreut werden können, wie Bildungs- und Familiensenatorin Sandra Scheeres angekündigt hat.

Zunächst ist eine einwöchige Übergangsphase vorgesehen, in der die Kitas schon wieder voller werden. Ab dem 22. Juni haben Eltern dann wieder einen vollen Betreuungsanspruch für ihre Kinder. Derzeit ist er für viele Eltern auf Halbtagsbetreuung begrenzt, was gerade für Berufstätige eine erhebliche Doppelbelastung bedeutet. Auch Früh- und Spätdienste soll es dann wieder geben. Auf Seiten der Eltern herrscht laut dpa Skepsis, ob das alles klappt.

Begrenzung der Gruppengröße aufgehoben

Seit Montag vergangener Woche sind schon die Vierjährigen zurück, nun folgen die jüngeren Kinder. Die zuvor wegen der Corona-Pandemie gültige Begrenzung der Gruppengrößen ist bereits aufgehoben worden. Die Kitas sollen aber auf stabile Gruppen achten, um das Risiko einer Infektion mit dem Virus zu verringern.

Erzieherinnen und Erzieher, die wegen ihrer Vorerkrankungen zur Risikogruppe gehören, fallen für die Betreuung der Kinder aus. Berlinweit betreffe das rund 5000 Personen, sagte die Vorsitzende des Landeselternausschusses Kita (LEAK) in Berlin, Corinna Balkow, der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn ich mit Trägervertretern spreche, ist das nach wie vor ein Problem. Wir hätten uns gewünscht, dass investiert wird, mehr Personal zu finden.“

Balkow ist deshalb skeptisch, ob die Rückkehr zum Normalbetrieb funktioniert: „Ich sehe nicht, dass es normal wird im Sinne von dem, was wir vor Corona kannten.“ Es sei zwar damit zu rechnen, dass durch die Aufhebung der Gruppengrößen mehr Kinder zurückkommen könnten. „Aber wir werden immer noch andere Bedingungen haben“, sagte Balkow. Sie rechne für manche Kitas auch mit Konflikten bei der Frage, welche Kinder tatsächlich wie viele Stunden betreut werden könnten. Scheeres hat zugesagt, dass in Absprache mit der Kita-Aufsicht individuelle Lösungen gefunden werden sollen, wenn es Engpässe gebe.

Personalmangel kann nicht aufgefangen werden

Die Elternvertreterin kritisiert, es habe schon vor der Corona-Krise Personalmangel gegeben. Die Lücke sei oft durch Ehrenamtliche, Eltern oder Großeltern, die vorlesen, geschlossen worden sei. „Jetzt kommen zwei Lücken zueinander, der allgemeine Personalmangel und der zusätzliche.“

Eine Möglichkeit sei, Menschen in der Erzieherausbildung, die sich etwas dazuverdienen wollen, in die Kitas zu holen, oder solche, die schon in der Kita waren, etwa Musik- oder Theaterpädagogen. „Aber diese Kräfte werden nicht die pädagogische Arbeit leisten, die werden nicht die Elterngespräche führen.“ Und das werde Folgen haben: „Viele Kitas werden Öffnungszeiten einschränken, was Eltern besonders hart trifft, die auf die Randzeiten angewiesen sind.“