Die Täter kamen am Silvesterabend irgendwann zwischen 20 und 22 Uhr. Sie brachen die Jalousie auf, zertrümmerten ein Fenster zur Küche und stiegen ein in die Kita „Kiek in“ in Marzahn-Nord. Dann begannen sie in dem dreigeschossigen Kita-Bau in der Rosenbecker Straße ihr Zerstörungswerk: Sie traten die Wasserrohre ab, drehten die Dusche im Kinderbad und weitere Wasserhähne auf, entleerten sämtliche Feuerlöscher. Alles lief voll mit Wasser. Der Schaden ist immens, 13 Räume sind noch immer gesperrt, werden getrocknet, die 105 Kita-Kinder müssen in den verbliebenen Bereichen eng zusammenrücken. Selbst in das Fundament lief das Wasser, so dass Bohrungen nötig sind, um die Feuchtigkeit herauszubekommen.

„Wir sind entsetzt“, sagt Geschäftsführerin Gabriele Geißler. Besonders verstörend: Es sehe so aus, als hätten die Täter das Gebäude gekannt und gezielt ausgesucht, sagt Gabriele Geißler. Ausgerechnet den mittleren Gebäudeteil, der videoüberwacht wird, verschonten sie. Wer aber greift gezielt eine Kita an? Dazu kann die Polizei noch nicht viel sagen. „Wir ermitteln wegen Sachbeschädigung“, hieß es dort.

Alarmmeldung auf Handy

Immerhin gab es nach der Zerstörungsaktion viel Hilfsbereitschaft: Am vergangenen Freitag fanden sich 52 Menschen im verwüsteten Kita-Gebäude ein, um die feuchte Tapete abzuziehen oder den voll gesogenen Teppichboden zu entsorgen. Darunter Eltern und Mitglieder des Vereins „Vision“, der sich um die Integration von Spätaussiedlern aus Russland kümmert. „Die Hilfe hat richtig gut getan“, sagt Gabriele Geißler. Am Mittwoch kommt ein Gutachter der Versicherung, um die fällige Schadenssumme zu ermitteln. „Erst dann können wir wirklich Firmen beauftragen, die Schäden zu beseitigen.“ Auch ein Spendenkonto bei der Berliner Volksbank hat der Kita-Träger unter 23 53 63 1015 eingerichtet.

Wie ein Held gefeiert wird vor Ort Hausmeister Frank Schwarz. Denn ohne sein Zutun wäre noch Schlimmeres passiert. Schwarz erhielt in der Silvesternacht um 2.42 Uhr eine Alarmmeldung auf sein Handy. Demnach war die Brandmelderanlage der Kita ausgefallen. „Ich dachte, vielleicht hat ein Böller da etwas angerichtet“, sagt der 54-Jährige. Während viele Mitbürger zu diesem Zeitpunkt sektbeseelt oder käsefonduebeschwert gerade den Weg ins Bett gefunden hatten, machte sich Frank Schwarz auf den Weg zur Kita. Eine Viertelstunde später war er im Gebäude, das neben der Kita noch ein Familien- und Nachbarschaftszentrum beherbergt – und stand im Wasser. Er stellte das laufende Wasser so gut er konnte ab. Dann rief er Feuerwehr und Polizei.