Berlin-Tempelhof - Für die betroffenen Eltern kam es wie aus heiterem Himmel: Die Kita Notenzwerge in Tempelhof hat 113 Betreuungsverträge aus Personalmangel gekündigt. Dies bestätigte am Mittwoch eine Sprecherin der Bildungsverwaltung. Ein solcher Fall sei bisher einmalig in Berlin. Am vergangenen Montag informierte der freie Träger Rahn Education die Eltern über die Entscheidung.

Ab März brauchen viele Kinder nun eine neue Kita. Laut der Kita-Aufsicht ist die Personalsituation in der Einrichtung in der Burgemeisterstraße seit Ende November extrem angespannt. Versuche des freien Trägers Rahn Education gegenzusteuern, kamen wohl zu spät, sagte die Sprecherin der Bildungsverwaltung. „Es gab zahlreiche Kündigungen, zunehmende Personalwechsel sowie vermehrte Krankheitsfälle.“

„Wir hängen nun völlig in der Luft“

Der freie Träger habe somit keine andere Möglichkeit gesehen, als die 113 Verträge zu kündigen, um die Kita zu stabilisieren. „Wir hängen nun völlig in der Luft, müssen uns innerhalb von vier Wochen eine neue Kita suchen“, sagt die Mutter eines Zweijährigen, deren Vertrag gekündigt wurde. Das Kündigungsschreiben hat sie inzwischen erhalten.

Die Mutter arbeitet wochentags in der Apotheke, ihr Partner bei einer Autovermietung im Schichtbetrieb. „Wir haben eigentlich gar keine Zeit, uns um einen neuen Kitaplatz zu kümmern“, sagte sie.

Die Eltern berichten, dass bereits Ende November die Kita-Leitung und bis zu 20 Erzieher sich zum gleichen Zeitpunkt krankgemeldet hätten. Schließlich habe der freie Träger, der seinen Sitz in Leipzig hat, die Kita-Leitung ersetzt. Seither seien dort viele Mitarbeiter über Zeitarbeitsfirmen beschäftigt worden.

„Wir sind von der Situation sehr überrascht“, sagt der zuständige Stadtrat Oliver Schworck (SPD). Zuletzt habe der Träger mitgeteilt, dass die Probleme behoben seien. Der Bezirk sei nun mit anderen freien Trägern im intensiven Gespräch und prüfe, ob das bald leer stehende Gebäude der Kita Notenzwerge von einem anderen Betreiber genutzt werden kann.

Suche nach freien Plätzen

Beim Elternabend am Montag hatte der freie Träger zunächst angekündigt, dass die Verträge sogar für alle 221 Kinder zum 28. Februar gekündigt werden, die derzeit betreut werden. 108 Kinder erhalten dann aber einen Anschlussvertrag ab dem 1. März. Betroffen seien auch Familien mit mehreren Kindern in dieser Kita, berichten Eltern.

Die Lage ist generell angespannt: Viele Berliner Kitas finden inzwischen nicht mehr genug Erzieher, um alle genehmigten Plätze tatsächlich mit Kindern besetzen zu können. Oft behilft man sich mit Quereinsteigern oder, vor allem in den Monaten vor den Sommerferien, mit Mitarbeitern aus Zeitarbeitsfirmen. 

Kita-Aufsicht und Bezirk versuchen nun unter Zeitdruck, die nicht mehr in der Kita Notenzwerge betreuten Kinder anderweitig unterzubringen. Dazu sei man im Gespräch mit den Eigenbetrieben Südwest und dem Kita-Träger Stadtindianer. Zudem wurde Eltern Teilzeitbetreuung angeboten, um mehr Platz in den Kitas zu schaffen.

In Einzelfällen könne auch das „Nanny-Schreiben“ zum Einsatz kommen, heiß es. Das bedeutet, dass der Bezirk die Kosten für eine private Kinderbetreuung übernimmt. Geprüft wird weiter, ob eine Einrichtung vorübergehend und quasi kommissarisch von einem anderen Betreiber übernommen werden kann.