In diesem Jahr werden es viele Eltern ganz besonders schwer haben, einen Kita-Platz für ihr Kind zu finden. „Gerade für Eltern mit einem ersten Kind wird es ganz eng werden“, sagt Katrin Molkentin vom Landeselternausschuss Kita. Denn die Wartelisten vieler Kitas seien schon mit Geschwisterkindern und bereits registrierten Schwangerschaften gut gefüllt. „Auch nach dem August wird es wohl kaum besser“, sagte sie. Verstärkt würden Eltern anfragen, wie sie ihr Recht auf einem Kita-Platz ab dem ersten Geburtstag ihres Kindes zur Not einklagen können.

Mehr als 15 Klagen und Eilklagen sind bereits vor dem Verwaltungsgericht anhängig. Der Paritätische Wohlfahrtsverband geht davon aus, dass in diesem Jahr bis zu 3000 Plätze fehlen könnten. „So eng war es lange nicht“, sagte Kita-Referent Torsten Wischnewski-Ruschin. Er und weitere Kita-Betreiber haben das genau berechnet. Seit mehreren Jahren nämlich würden zum Sommer eines Jahres immer etwa fünf Prozent mehr Plätze gebraucht als zum Ende des Vorjahres. Am Jahresende 2017 lag die Zahl der angebotenen Kita-Plätze nach Angaben der Senatsverwaltung bei 163.000 Plätzen, wobei etwa 5000 offen waren.

Auch der neue Kita-Bedarfsatlas für 2018, den die zuständige Senatsverwaltung führt, registriert den steigenden Bedarf. In 50 von gut 140 genau definierten Berliner Stadtteilen reichen die Plätze jetzt schon nicht aus – wobei der Bedarf genau dort noch weiter steigt. Das gilt beispielsweise für ganz Hellersdorf, für Wilhelsmruh/Rosenthal, für Reinickendorf-Ost und -West sowie für Mariendorf und Halensee.

Grund für den Platzmangel ist hauptsächlich die steigende Bevölkerungszahl

Für gut 40 weitere Stadtteile gibt es nur noch geringe Platzreserven, aber einen steigenden Bedarf an Plätzen. Auf der anderen Seite stehen lediglich drei Stadtregionen, in denen es bereits jetzt ausreichend Betreuungsplätze gibt – und die Nachfrage künftig sogar als geringer ausfallen soll: Das Regierungsviertel in Mitte, Marzahn-Süd und die Region Blankenfelde/Niederschönhausen im Bezirk Pankow.

Die Gründe für den Platzmangel sind vielfältig. Hauptursache ist natürlich die wachsende Bevölkerungszahl, hinzu kommt die steigende Geburtenrate. Zudem weiten Eltern angesichts der kostenlosen Kita die Betreuungszeiten aus. Weil das Elterngeld meist nach gut einem Jahr ausläuft, werden Kinder auch früher in die Kita geschickt als noch vor einigen Jahren. Der Senat baut seit Jahren beständig das Kita-Angebot aus und gibt dafür viel Geld aus. Allerdings steigt die Zahl der zu betreuenden Kinder schneller. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit.

Für weitere Unruhe unter Eltern sorgt zudem, dass nahezu jede Kita weiterhin eine eigene Warteliste führt. Teils handschriftlich. Deshalb lassen sich Eltern meist bei mehreren Kitas registrieren. – und in vielen Kitas stehen auf den Listen mehr Kinder, als später tatsächlich gebraucht werden. So entsteht bei den Eltern fast immer Panik.

Es gibt einen Mangel an qualifizierten Erziehern

Senat und Bezirke verfügen aber bereits online über die Integrierte Software Berliner Jugendhilfe (ISBJ). In das Portal können Träger ihre tatsächliche Platzvergabe eintragen, was gar nicht alle tun. Eltern bleibt die Einsicht in die Listen verwehrt, wie eine parlamentarische Anfrage der FDP-Abgeordneten Maren Jasper-Winter ergab. Die Anfrage liegt der Berliner Zeitung exklusiv vor. „Gleichwohl prüft die Senatsverwaltung aktuell im Rahmen der landesweiten Digitalisierungsmaßnahmen Möglichkeiten einer stärkeren Einbindung von Erziehungsberechtigten“, teilte Staatssekretärin Sigrid Klebba daraufhin mit. „Diesbezügliche konzeptionelle Überlegungen, beispielsweise zur unverbindlichen Registrierung auf einrichtungsbezogenen Wartelisten unter Wahrung der Trägerautonomie, sind jedoch noch nicht abgeschlossen.“

Die FDP-Politikerin kann dies kaum glauben. „Es ist schlicht nicht verständlich, warum der Senat angesichts der unglaublich schwierigen Kita-Platzsuche das Suchsystem für Eltern nicht digitalisiert.“ Das wäre für alle Beteiligten eine Erleichterung. „Ein Online-System sorgt für Transparenz, und zwar bezirksübergreifend“, sagte Jasper-Winter und verwies darauf, dass die Technologiestiftung und ein Privatanbieter hier bereits weiter seien. „Während die Verwaltung noch prüft.“

Doch selbst wenn tatsächlich genügend Kita-Plätze angeboten werden könnten, bleibt ein weiteres Problem. Es fehlt an qualifizierten Erziehern. Von zunächst mehr als 3250 angehenden Erziehern blieben an den Berliner Fachschulen am Ende der Ausbildung nur 2450 übrig – ein Viertel brach also ab, nahm eine andere Tätigkeit oder ein Studium auf. Seit das Grundschullehrergehalt angehoben wurde, klafft eine noch größere Lohnlücke zu den Erziehern, von denen inzwischen auch das Abitur verlangt wird.

Nun müssen verstärkt Quereinsteiger ran, die von den Erziehern angelernt werden müssen.

Viele Eltern werden künftig wohl noch weiter fahren müssen zur Kita: In Berlin gilt eine Fahrzeit von 30 Minuten mit Bussen und Bahnen als zumutbar – für eine Fahrt.