Berlin - Schon im Foyer des Bezirksamtes Mitte an der Karl-Marx-Allee wird deutlich, wie begehrt derzeit Kita-Plätze sind. Die Kita- und Hort-Gutscheinstelle sei bis zum 19. Juli geschlossen, steht da auf einem Zettel, der mit Tesafilm an einer Säule im Eingangsbereich angebracht ist. „Diese Maßnahme ist erforderlich, um die ’Antragsflut’ aus den vergangenen Monaten so abzuarbeiten, dass die Eltern rechtzeitig zum 1. August oder zum 1. September einen Kita-Gutschein erhalten“, heißt es dort weiter.

Offenbar schafft es der Bezirk Mitte nur noch auf diese Weise, den ab dem 1. August geltenden Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für alle Kinder ab dem ersten Lebensjahr sicherzustellen. Doch was ist mit den Eltern, die kurzfristig einen Kita-Platz für ihr Kind benötigen, weil sie gerade eine neue Arbeit gefunden haben? Nur mit einem gültigen Kita-Gutschein, der die persönlichen Daten und Einkommensverhältnisse von Eltern enthält, kann man sich überhaupt auf die Suche nach einem Krippenplatz machen. In dem Gutschein wird auch festgestellt, ob Betreuungsanspruch nur für einen halben Tag oder länger besteht.

300 Anträge auf Halde

Ulrich Davids (SPD), zuständiger Jugendstadtrat von Mitte, sagt, er sehe sich zur vorläufigen Schließung der Gutschein-Stelle gezwungen. „Ich habe dort derzeit nur sechs Mitarbeiter“, sagte er auf Anfrage. Weitere sechs seien erkrankt oder in den Ferien. Die verbliebenen Mitarbeiter müssten jetzt erst mal die weit über 300 bereits vorliegenden Kita-Anträge von Eltern bearbeiten. Das seien deutlich mehr als sonst üblich. Wer einen Kita-Platz ab August suche, habe das ja meistens schon beantragt. Wer jetzt noch einen dringenden Bedarf habe, könne ja die telefonischen Sprechstunden nutzen, dreimal die Woche je eine Stunde. Oder seinen Antrag in den jeweiligen Rathausbriefkasten werfen. „Die Endbearbeitung wird erst später passieren.“

Auch in anderen Bezirken schließt die Kita-Gutscheinstelle wegen Überlastung. So etwa in Marzahn-Hellersdorf im Monat August und schon traditionell in Pankow. Die dort zuständigen Stadträte beklagen, die mangelhafte Personalausstattung der Bezirke durch das Land Berlin.

Reinickendorf hingegen hält seine Kita-Stelle offen. Der Bezirk hat lediglich die Aufnahme von Kindern aus Brandenburg gestoppt, damit für die Kinder aus dem Bezirk noch genug Platz ist. Denn auch hier liegen deutlich mehr Anträge auf einen Kita-Platz vor, wie der Reinickendorfer Jugendstadtrat Andreas Höhne (SPD) bestätigte. Dafür gibt es laut Höhne mehrere Gründe. Zum einen steigt die Zahl der Kinder im Bezirk wieder an, zum anderen machen tatsächlich viele Eltern von ihrem Rechtsanspruch Gebrauch und wollen ihr Kind schon ab dem ersten Lebensjahr in die Kita geben. Forciert wird das noch dadurch, dass Familien maximal 14 Monate Elterngeld erhalten.

Auch in Lichtenberg sieht man die komplette Schließung der Gutschein-Stellen kritisch. „Wir verzichten darauf“, sagte Sabine Kirsch vom Jugendamt. Stattdessen werde auf Mitarbeiter aus den Bürgerämtern zurückgegriffen. Die Erfahrung zeige, dass ein persönliches Gespräch besser sei als ein Kontakt per E-Mail oder Telefon. „Wir können dann gleich feststellen, ob der Antrag vollständig ist“, so die Mitarbeiterin. Oft fehlten bei den Anmeldungen Angaben zum Einkommen oder zum Partner. Wer die Kita-Stelle schließe, schaffe mehr Verwaltungsaufwand. Es scheint also so zu sein wie bei der Bearbeitung von Elterngeldanträgen. Einzelne Bezirke schaffen es, andere nicht.

Eine halbe Stunde zur Kita

Die Senatsbildungsverwaltung, die ja die Kita-Aufsicht hat, gibt sich in dieser heiklen Angelegenheit zurückhaltend. Die Kita-Platzvergabe sei Sache der Bezirke, heißt es dort. Wenn es wirklich eng sei, könnten sich die Bezirke aber auch untereinander mal mit Personal aushelfen. Das wiederum dürften die personell tatsächlich ausgedünnten Bezirksverwaltungen nicht gerne hören. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hatte jüngst erst zugesichert, dass Berlin den Rechtsanspruch ab 1. August gewährleisten könne. Laut Rechtslage ist ein halbstündiger Weg zur Kita mit öffentlichen Verkehrsmitteln zulässig.

Noch angespannter wird die Lage im Frühjahr 2014 werden. Erfahrungsgemäß werden die meisten Kinder im April und Mai angemeldet. Doch dann sind die Fünfjährigen noch nicht in die Schule gewechselt und Plätze deshalb rar. Berlin müsse deshalb weiter einen massiven Kita-Ausbau betreiben, sagte ein Sprecher der Senatsverwaltung. Sonst gebe es bald überhaupt keine Reserve an Kita-Plätzen mehr. Jugendstadtrat Davids in Mitte geht davon aus, dass die Zahl der Kita-Gutscheine von derzeit 3000 in einigen Monaten auf 6000 steigen wird.