Berlin-Tempelhof - In der Kolonie Hansakorso geht die Angst um. Die Laubenpächter fürchten, dass der bislang als Entwurf vorliegende neue Kleingartenentwicklungsplan (KEP) das schnelle Aus für 51 der 68 Parzellen bedeutet. Sie meinen, das Vorhaben beruhe auf Planungsfehlern.

Die Anlage zwischen S-Bahn-Ring und Werner-Voß-Damm war bisher in zwei Kategorien unterteilt, sagt Corinna Kraeft, eine Wortführerin gegen das Abbaggern, wie sie es nennt. Die 51 Parzellen, die mutmaßlich abgeräumt werden, um einer Kita Platz zu machen, seien bislang der Kategorie Vb zugeordnet, „dauerhaft geschützt“. Jetzt aber habe die Verwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz von Senatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) diese Parzellen in Kategorie 4 eingeordnet. Das bedeute „zur baulichen Entwicklung vorgesehen“.

60 Jahre alte Bebauungspläne

Die Senatsverwaltung sei einfach einem Papier des Bezirks gefolgt, das die Kolonie in einem Soziale-Infrastruktur-Konzept als Bauland vorsieht. Das Konzept ist aber noch nicht beschlossen. Es steht erst auf der Tagesordnung des bezirklichen Stadtentwicklungsausschusses am Mittwoch, soll kommende Woche von der Bezirksverordnetenversammlung beschlossen werden.

In dem Papier werde fehlerhaft behauptet, die Kolonie sei nur bis 2020 geschützt gewesen. Das gelte aber nur für eine Fläche mit 17 Parzellen, die nach dem vergangene Woche von Regine Günther vorgestellten Kleingartenentwicklungsplan bis 2030 unter Schutz gestellt werden soll. So wie die meisten der 71.000 Berliner Parzellen. Nur 15 Kolonien mit 400 Parzellen sollen Kitas, Schulen oder Straßen weichen. Wohnbebauung auf Gartenland soll erst ab 2030 möglich sein.

Die Tempelhofer Kleingärtner führen ein weiteres Argument gegen die Räumung ins Feld. Die zu bebauende Fläche sei im Flächennutzungsplan als Grünland ausgewiesen, wie Reinhard Schramm, Vorsitzender des Tempelhofer Kleingärtnerverbands, bestätigt. Er ergänzt, dass die Fläche noch kein Planungsrecht habe. Auch wenn es 60 Jahre alte Bebauungspläne gebe.

Zwei Jahre dürften vergehen

Gekündigt werden müsste seinem Verband als Zwischenpächter bis 28. Februar 2020 zum 30. November 2020. So lange könne nichts geschehen. Verwundert ist Schramm, dass die Fläche im bezirklichen Konzept als kontaminiert beschrieben wird. Da könne man doch keine Kita errichten, meint er, auch wenn der Bezirk eine Sanierung des Bodens in Aussicht stellt.

Günthers Sprecher Jan Thomsen sagte der Berliner Zeitung, dass es sich beim KEP bislang um einen Entwurf handele, der noch im Bezirk, im Senat und im Abgeordnetenhaus behandelt wird. Ehe dort überhaupt etwas passieren kann, dürften mindestens zwei Jahre vergehen. In der Tat sei es nicht gewünscht, auf Grünland zu bauen, der Bezirk habe die Kita aber als dringend nötig bezeichnet.