Der Termin steht fest: Am kommenden Freitag wird das Arbeitsgericht Berlin die ersten von zehn Klagen rumänischer Bauarbeiter verhandeln, die beim Bau des prestigeträchtigen Einkaufszentrums Mall of Berlin teilweise oder ganz um ihren Lohn geprellt worden sein sollen. „Es wird, wie in solchen Fällen üblich, zunächst eine Güteverhandlung geben“, erklärt Martin Dreßler, der Sprecher des Arbeitsgerichts. Weitere Verhandlungen folgen am 14. und 20. April.

Sieben rumänische Bauarbeiter, die bereits gemeinsam mit Unterstützern und anderen Arbeitern vor der Mall of Berlin protestierten, gehen juristisch gegen zwei Subunternehmer vor: die Openmallmaster GmbH aus Frankfurt am Main und die Metatec-Fundus GmbH & Co. KG. Insgesamt geht es bei den Klagen um rund 33.000 Euro.

„Dass die rumänischen Bauarbeiter klagen, ist schon ungewöhnlich“, sagt Rechtsanwalt Sebastian Kunz, der die Rumänen vor Gericht vertritt. Denn normalerweise würden ausländische Arbeiter schon aufgrund der Sprachprobleme eher resigniert nach Hause fahren als den aufwendigen juristischen Weg einzuschlagen. „Aber meine Mandanten sind zu Recht wütend“, sagt Kunz der Berliner Zeitung. Denn sie seien mit dem Versprechen nach Berlin gelockt worden, hier arbeiten zu können und dafür auch bezahlt zu werden. Sie seien nicht nur um ihren Lohn gebracht oder nur mit geringen Abschlagszahlungen abgespeist worden, sondern hätten ohne Verdienst sogar noch Kost und Logis in Berlin aus der eigenen Tasche zahlen müssen.

Fünf bis sechs Euro pro Stunde

Laut Kunz haben seine Mandanten zu unterschiedlichen Zeiten auf der Baustelle der Mall of Berlin in der Nähe des Potsdamer Platzes gearbeitet. Mal war es für einen Monat, mal war es für drei Monate. Die rumänischen Bauarbeiter hätten zunächst Hilfsarbeiten ausgeführt, später seien sie zu Montagearbeiten im Trockenbau eingesetzt worden. Fünf bis sechs Euro hätten sie nach Absprache pro Stunde verdienen sollen, obwohl sie laut Kunz sogar Anspruch auf den allgemeinverbindlichen Tariflohn von rund elf Euro gehabt hätten. Doch selbst diese geringe Summe sei den Arbeitern nicht ausgezahlt worden.

Bettina Wagner von der Beratungsstelle für entsandte Beschäftigte, die vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und der Senatsarbeitsverwaltung unterstützt wird, kennt die Bauarbeiter. „Ende Oktober vorigen Jahres sind 13 Betroffene zu uns in die Beratung gekommen“, sagt sie. Die Bauarbeiter hatten nach eigenem Bekunden seit sechs Wochen kein Geld mehr bekommen. „Sie wurden angeblich auch von einem Subunternehmen zum anderen weitergereicht“, sagt Bettina Wagner. Man habe damals versucht, die Openmallmaster GmbH anzuschreiben, doch sämtliche Briefe seien zurückgekommen. Als dann auch noch der Generalunternehmer, die schon mehrfach in die Schlagzeilen geratene Fettchenhauer GmbH, Insolvenz angemeldet habe, seien die finanziellen Hoffnungen gestorben. „Ich finde es ganz wichtig, dass mit den Klagen endlich einmal ein Exempel statuiert wird“, sagt Bettina Wagner von der Beratungsstelle. Nicht nur die Bauarbeiter sollen damals um ihr Geld gebracht worden sein, sondern auch Firmen.

Unterstützt werden die Bauarbeiter nicht nur vom DGB, sondern auch von der Basisgewerkschaft Freie Arbeiter Union (FAU), die sich nach eigenen Angaben um prekäre Arbeitsverhältnisse kümmert. Die FAU hat den Bauarbeitern auch den Anwalt vermittelt, der am 16. und am 24. März die Klagen beim Arbeitsgericht eingereicht hat. „Wir haben schon seit einiger Zeit auf die Missstände beim Bau der Mall of Berlin aufmerksam gemacht und der Arbeitssenatorin Dilek Kolat dazu einen offenen Brief übergeben“, sagt FAU-Sprecher Stefan Kuhnt. Nach seinen Worten sind viele der betroffenen Bauarbeiter längst völlig desillusioniert und von ihrem letzten Geld nach Hause gefahren. „Niemand von ihnen kann hier eigentlich monatelang mittellos ausharren und warten, bis sein Fall vor Gericht entschieden ist“, sagt Kuhnt.

Laut FAU wolle man die Ansprüche der Arbeiter „zur Not auch gegen die insolvente Generalübernehmerin, die Fettchenhauer Controlling & Logistic GmbH, und den Bauherrn Harald Huth“ geltend machen. Huth, der insgesamt eine Milliarde Euro in den Einkaufstempel investiert hatte, sagte nach Bekanntwerden der Vorwürfe, die von ihm beauftragte Baufirma sei überpünktlich bezahlt worden.

Rechtsanwalt Kunz ist guter Dinge, dass die Verfahren erfolgreich für seine Mandanten ausgehen und sie den ausstehenden Lohn bekommen werden. „Wir haben ausreichende Beweismittel“, erklärt Kunz, auch wenn es in den Fällen keine schriftlichen Arbeitsverträge, sondern nur mündliche Absprachen gegeben habe. Seine Mandanten würden versuchen, zu den Verhandlungen in Berlin zu sein.