Ein warmes Wort und belegte Brote. 
Foto: Andreas Klug 

BerlinArme und Alte. Die, denen das Leben auch sonst nicht viel gibt, haben in diesen Tagen ein besonders hartes Brot zu knabbern. Wo Zusammenrücken aufgrund von Ansteckungsgefahr nicht möglich ist, muss improvisiert werden. Doch die Pankower Suppenküche bleibt auch in schweren Zeiten ein Leuchtturm für die, die wenig haben.

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Auch unter den erschwerten Bedingungen machen sie weiter, schmieren Stullen für die Ärmsten, die ihre Sorgen nicht mit Hamsterkäufen beruhigen können. Im Franziskanerkloster in der Wollankstraße haben sie dazu die gesamte Logistik auf den Kopf gestellt. Der Speisesaal in dem sonst Bedürftige nebeneinander an Bänken sitzen und mittags eine warme Mahlzeit einnehmen, ist geschlossen. Stattdessen werden auf dem Hof aus einer Holzbude Brote und warme Getränke ausgeteilt. Die Menschen stehen geduldig an und halten Abstand. „Damit möchten wir wenigstens die Minimalversorgung für alle ermöglichen, die weiterhin hungrig und jetzt in der Krise genauso irritiert sind wie der Rest der Bevölkerung – und die natürlich auch sehen, wie die Geschäfte leergehamstert werden, die aber keine Möglichkeit haben, ihre eigene Sorge mit Hamsterkäufen zu beruhigen“, sagt der Betriebsleiter der Suppenküche Bernd Backhaus.

Weniger Gäste, aber noch immer genug

Kommen sonst an die 200 Gäste am Tag, sind es nun deutlich weniger. „Natürlich vermissen die Gäste sowohl die warme Suppe als auch die Behaglichkeit des Saales, und wer sich anderweitig organisieren kann, tut dies“, so Backhaus weiter. Dennoch haben sie heute mit der Hilfe von Ehrenamtlichen an die 250 Klappstullen geschmiert. Und sich so richtig geärgert. Ausgerechnet jetzt, wo jeder Mann, jede Frau gebraucht wird, und die älteren Ehrenamtler nicht mehr in d er ersten Helferreihe stehen sollen, hat das Arbeitsamt angewiesen, dass drei Ein-Euro-Jobber fortan nicht mehr kommen dürfen. „Das trifft uns schon, sagt Hausmeister Wolfgang Habermann. „Aber wir machen weiter.“

„Willste noch eine Buttermilch?“, fragt eine der Helferinnen einen der Gäste an der Luke freundlich. Wer keine Familie hat, mit der er jetzt zusammenrücken kann, nimmt oft auch weite Wege auf sich, um in der Suppenküche Gemeinschaft zu erfahren. Und es kommen überraschend neue Hilfsangebote, berichtet Bruder Christoph. Anfragen aus dem Kiez erreichen die Franziskaner, ob es möglich und nötig sei, nun tatkräftig zu unterstützen. Eine Kita brachte Lebensmittel, die sie nicht mehr verarbeiten kann, eine Frau kaufte Butter und Aufschnitt. Sogar aus den Galeries Lafayettes besorgten Lebensmittelretter Belag für die Stullen. „Viele der Bedürftigen kommen und bedanken sich explizit, dass wir weiter da sind“, sagt Wolfgang Habermann.

„Mehr denn je drängt es uns, allen Mitmenschen mit Herz zuzurufen: Denken Sie an die Menschen um sich herum! Öffnen Sie die Augen, wen Sie in der Umgebung sehen, der schlechter versorgt ist als Sie“, appelliert Bernd Backhaus. „Vereinbaren Sie Übergaben von Lebensmitteln, backen oder kochen Sie etwas Gutes und stellen es zu klar kommunizierten Zeitpunkten an abgesprochene Orte. Lassen Sie Ihre Fantasie spielen und nutzen Sie die Zeit, von der einige von uns jetzt mehr haben als sie eigentlich möchten“, so Backhaus.