Am Luxemburg-Gymnasium hatten 120 Schüler den dafür nötigen Intelligenztest bestanden – das hätte sogar für vier 5. Klassen mit je 30 Kindern gereicht. Doch die Schulverwaltung erlaubte Treptow lediglich, zwei Klassen einzurichten. Denn das erklärte politische Ziel der SPD-geführten Verwaltung ist es, die Zahl der zusätzlichen 5. Klassen an den Berliner Gymnasien auf 70 zu begrenzen. Normalerweise beginnt das Gymnasium in Berlin mit Klasse 7.

Trotz alledem hat Treptow am Montagmittag in einer kühnen Handlung die Eltern dieser dritten 5. Klasse per Brief darüber informiert, dass ihre Kinder einen Platz an seiner Schule erhalten. Das hatte ihm die Pankower Oberschulrätin zugesichert. Die Senatsverwaltung legte prompt ein Veto ein.

Empörte Eltern

In einer Versammlung am Montagabend in der Schulmensa beschlossen die empörten Eltern daraufhin, einen Protestbrief an Scheeres zu verfassen, die dort ihren Wahlkreis hat. „Es geht darum, ob sozialdemokratische Schulpolitik dem hochattraktiven Modell der Begabtenförderung an den staatlichen Schulen Berlins weiter eine Chance gibt oder dieses in die Hände der Privatschulen ’verspielt’“, heißt es darin. Es gehe auch um die Frage, ob sich die Senatorin auf ihre Verwaltung verlassen könne, die als nicht gerade gymnasialfreundlich gilt.

Die Bildungsverwaltung will mit allen Mitteln vermeiden, dass Treptow Fakten schafft: Das Handeln des Schulleiters werde dienstrechtlich geprüft, sagte Sprecherin Beate Stoffers. In Berlin wurden bereits drei weitere 5. Klassen an Schnelllerner-Gymnasien eingerichtet, sagte sie, nämlich am Dathe-, Nagel- und Humboldt-Gymnasium. Da es in Pankow vier weitere Gymnasien ab Klasse 5 gebe, wolle man vermeiden, dass am Luxemburg-Gymnasium auf absehbare Zeit mehr 5. Klassen eingerichtet werden als es 7. Klassen geben kann. Stoffers legte Eltern begabter Schüler nahe, an das Weddinger Lessing- und das Neuköllner Dürer-Gymnasium auszuweichen. Dort seien noch einzelne Plätze frei.

Die Bildungsverwaltung will nun die von Treptow versandten Zusagen in einem eigenen Schreiben widerrufen. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass sich jemand an der Schule einklagen kann.Ausnahme: In Berlin und Brandenburg ist die sechsjährige Grundschulzeit die Regel. Nur 36 staatliche und neun private Oberschulen beginnen mit der 5. Klasse.