Alte Eckkneipen und Neue Musik haben auf den ersten Blick so gar nichts gemeinsam. Hier: das Refugium aus vergangenen Zeiten, wo man noch echte Berliner bei Molle und Korn trifft und alles so ist, wie es mal war und man es mag, weil man es kennt. Dort: zeitgenössisch-avantgardistisches Schaffen meist junger Komponisten, die Instrumenten, die man eigentlich zu kennen meint, Klänge entlocken, die man so gar nicht mehr erkennt.

Und dennoch gibt es eine Gemeinsamkeit: Berührungsängste! Denn sowohl die alte Kneipe als auch die Neue Musik sind heute für viele unbekanntes Terrain. Genau das brachte vier junge Musiker und Komponisten aus dem Wedding auf die Idee, ein Konzert-Projekt zu starten.

Berührungsängste abbauen

Mit „Neue Musik in Eckkneipen“ wollen Milos Tadić und seine musikalischen Mitstreiter Berührungsängste abbauen. Beiderseits. Also gibt es ab Freitagabend eine dreitägige „Konzert-Tournee“ durch den Wedding. Der Eintritt ist frei. Die illustren Spielstätten heißen „Magendoktor“, „Weinstube“, „Beim Dicken“ und „Seetank“. Tadic und seine Mitmusiker kannten die Kneipen vor dem Projekt selbst mitunter nur von außen. 

Man habe aber endlich mal was anderes machen, sich mit dem Alltag auseinandersetzen und endlich auch mal zu Hause auftreten wollen, sagt Tadic. „Normalerweise fährt man als Komponist oder Interpret Neuer Musik viel auf internationale Festivals“, erklärt der 29-jährige Komponist. Die Szene der Neuen Musik ist wohl ein eigener Kosmos – wie die Berliner Kneipe und ihre Stammgäste.

Maximal eine Stunde

Obwohl auch im Wedding wie in ganz Berlin die klassische Kneipe zunehmend aus dem Straßenbild verschwindet, mussten Tadic und sein Musiker-Freund und Mitorganisator Malte Giesen Überzeugungsarbeit leisten. „Einige Kneipen wollten uns nicht. Dann haben wir den Wirten Stücke vorgespielt, damit sie sich ungefähr vorstellen können, was da kommt“, so Milos Tadic.

Angst, dass das zu viel für das Publikum im Wedding sein könnte, hat Milos Tadić nicht. Ein klein wenig programmatisch vorgesorgt hat man trotzdem. Tadic: „Jedes Konzert ist auf 45 Minuten bis maximal eine Stunde angelegt.“ Damit man die Zuhörer mit der ungewohnten Kost nicht erschöpfe. Denn das Ziel der Künstler ist – neben launigen Konzertabenden an ungewohnter Spielstatt – vor allem eins: „Wir wollen, dass von dem Projekt alle profitieren.“

Freitag, 25.8.2017, um 21 Uhr: „Magendoktor“, Reinickendorfer Str. 111, 13347 Berlin 

Samstag, 26.08.2017, um 16 Uhr: „Weinstube,  Wollankstraße 98, 13359 Berlin 

Samstag, 26.08.2017, um 20 Uhr: „Beim Dicken“, Bellermannstraße 17, 13357 Berlin 

Sonntag, 27.08.2017, um 20 Uhr: „Seetank“, Seestraße 37, 13353 Berlin