Vor sieben Monaten erst wurde groß gefeiert: Am 16. März wurde das Museum Berggruen an der Schlossstraße 1, unmittelbar gegenüber dem Schloss Charlottenburg, wieder eröffnet. Gemeinsam mit einem Erweiterungsbau, für den das historische Kommandantenhaus am Spandauer Damm hergerichtet worden war. Beide Gebäude sind seither durch einen gläsernen Gang verbunden. Kosten der Arbeiten: 7,6 Millionen Euro. Herausragende Werke unter anderen von Pablo Picasso, Henri Matisse und Paul Klee aus der Sammlung von Heinz Berggruen können auf insgesamt 1 200 Quadratmetern angemessen präsentiert werden.

Der Erweiterungsbau wird am 28. Oktober geschlossen

Doch Paul Klee muss jetzt umziehen. Denn der Erweiterungsbau des Museums, in dessen oberster, dritter Etage rund 70 Werke des großen Malers und Grafikers zu sehen sind, wird am 28. Oktober wieder geschlossen. Der Grund: Baupfusch. In der Dachkonstruktion sei ein Feuchteschaden aufgetreten, der zu einem großflächigen Schimmelbefall des Dachaufbaus geführt habe, teilten die Staatlichen Museen zu Berlin am Montag mit. Etwa ein Jahr lang müsse das Haus saniert werden. Der Generaldirektor der Staatlichen Museen, Michael Eissenhauer, erklärte: „Diese, wenn auch nur teilweise Schließung, ist sehr unglücklich für die Staatlichen Museen zu Berlin.“ Zu den Ursachen der Bauschäden wollte man sich nicht äußern. Das Haus, in dem einst die Preußische Militärkommandantur residierte und das zuletzt überwiegend leer stand, hatte das Land Berlin den Staatlichen Museen für die Berggruen-Sammlung überlassen. Die Bauarbeiten gingen unter Aufsicht des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung vonstatten.

Eine der bedeutendsten Picasso-Sammlungen Europas

Auch dort wollte sich am Montag niemand äußern. Fragen zur Schadenshöhe, zur Verantwortlichkeit und dazu, wer für die Sanierung aufkommt, blieben unbeantwortet. Der spätklassizistische westliche Stülerbau ist schon seit 1996 Standort für Berggruens Bilder. Der Kunsthändler und -sammler, der ein Freund Picassos war, hatte Berlin 165 Werke seiner Kollektion „Picasso und seine Zeit“ als Leihgabe überlassen. Vier Jahre später kaufte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz die Sammlung für einen - wie es hieß - symbolischen Preis von rund 126 Millionen Euro. Die Stadt Berlin, aus der der nichtreligiöse Jude 1936 vor den Nazis nach Amerika emigrierte, machte ihn zum Ehrenbürger. Anlässlich des 90. Geburtstages von Berggruen erfolgte 2004 die Umbenennung seiner Sammlung in „Museum Berggruen“. Neben den Picasso-Museen in Paris, Barcelona und Málaga beherbergt das Berliner Haus eine der bedeutendsten Picasso-Sammlungen in Europa.

Bis zum Tod von Heinz Berggruen im Jahr 2007 kamen zahlreiche weitere Leihgaben der Familie hinzu, weshalb der Erweiterungsbau für alle Kunstfreunde eine große Freude bedeutete. Berlin galt über Nacht als der Ort, an dem man die Werke der wichtigsten Künstler des ausgehenden 19. und 20. Jahrhunderts sehen konnte. Wie viel Kunst im Museum zu sehen ist, lässt sich indes nicht exakt bestimmen: Die Zahl der Bilder wechselt ständig, weil die wertvollen Stücke nicht allzu lange dem grellen Ausstellungslicht ausgesetzt sein dürfen.

Paul Klee zieht in den Stülerbau

Auf die meisten Bilder und Skulpturen müssen Kunstfreunde auch während der Sanierung des Erweiterungsbaus nicht verzichten. Das Haupthaus mit der Picasso-Schau bleibt uneingeschränkt zugänglich. Er soll zudem Exil für die wichtigsten Werke von Matisse und Giacometti aus dem Erweiterungsbau sein. Paul Klee zieht indes einige Häuser weiter – in den östlichen Stülerbau, wo die Sammlung Scharf-Gerstenberg beheimatet ist. Dort sind vorrangig Surrealisten wie Goya oder Dalí ausgestellt, jetzt werden dorthin noch zusätzliche Klee-Bilder aus der Nationalgalerie gebracht. Ein kleiner Ausgleich für alle Kunstfreunde.

Informationen: www.smb.museum