Kleiderspende bei der Stadtmission: Ein Hallo wäre schön

Spenden ist eine Teamleistung - von jenen, die geben und jenen, die Hilfsgüter sortieren. Unser Autor will mitmachen. Und wird mit Ächzen empfangen.

Logistikzentrum im Hangar 1 des Flughafens Tempelhof: Hier wurden Spenden für Menschen aus der Ukraine gesammelt und sortiert.
Logistikzentrum im Hangar 1 des Flughafens Tempelhof: Hier wurden Spenden für Menschen aus der Ukraine gesammelt und sortiert.Imago/Marius Schwarz

Die Spendenbereitschaft der Mitmenschen ist ein erfreulicher Strohhalm, an den sich nicht nur Bedürftige klammern können, sondern auch alle, die in die Menschheit eher keine so große Hoffnung mehr setzen. Ob an Obdachlose, Flüchtlinge, Flutopfer oder – besonders im Lockdown – an die Arche: Viele geben, was sie können. Nur brennt es ja leider an allen Ecken und Enden. Gerade bitten die Tierheime um Futterspenden, weil sich immer mehr Hunde- und Katzenbesitzer die explodierenden Kosten für die Nahrung nicht mehr leisten können.

Wird die Spendenbereitschaft das Niveau noch halten, wenn die Leute mit Blick auf ihre rasant steigenden Lebenshaltungskosten selbst sparsamer ins eigene Portemonnaie gucken müssen? Nicht überall ist das Bewusstsein zum Spenden gleich verankert. Als ich im Bekanntenkreis mal dafür warb, aussortierte Kleidung zum Beispiel zur Stadtmission zu bringen, war die Antwort: Zu umständlich, zu wenig Zeit, zu weit weg. Stattdessen landeten die Klamotten dann an der nächsten Straßenecke in einem dieser ominösen Kleidercontainer, von denen niemand weiß, wem sie gehören und ob die Spenden wirklich einem guten Zweck zugute kommen.

Kein Grund für übertriebene Dankbarkeit

Dabei ist Spenden eine schöne Sache: Was man nicht mehr braucht oder gar nie genutzt hat, kann anderen ein Segen sein. Spenden ist eine Teamleistung: von denen, die geben, und jenen, die nehmen, um es an hilfsbedürftige Menschen weiterzugeben. Beide wollen helfen, gemeinsam. Für übertriebene Dankbarkeit gibt es da keinen Grund, gegen etwas Freundlichkeit wäre aber nichts einzuwenden. Und da hapert es leider immer wieder.

Für Kleiderspenden ist der Textilhafen der Stadtmission eigentlich eine sinnvolle Anlaufstelle. Die Sachen werden dort danach sortiert, ob sie in den Kiezläden verkauft werden können oder an Obdachlose ausgegeben werden. Gerade schleppe ich den ersten von vier prall gefüllten Säcken rein, dabei grüße ich in den großen Raum, doch das „Hallo“ verpufft, der Mann, der keine zwei Meter entfernt steht, reagiert ebenso wenig wie die Frauen weiter hinten. Ich lege den Sack in einem Wäschecontainer ab, dann die nächsten und zuletzt einen Air Walker zum Schutz eines gebrochenen Fußes. Mit Blick auf die Lieferung lässt der Mann jetzt doch ein Lebenszeichen erkennen: Er ächzt.

Bitte nicht ächzen!

Für diese Kleiderspende investiere ich nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Ich miete ein Carsharing-Auto, für das bei dieser Fuhre 10,24 Euro anfallen, die ich gerne in die Vorstellung investiere, damit jemandem etwas Gutes zu tun. So geht es sicher auch vielen anderen. Nur ächzen sollte dann bitte niemand.