Berlin - Geduld hat Gregor Klässig längst keine mehr, und das Geld ist auch alle. „Ich habe 350.000 Euro investiert und muss die Zinsen dafür zahlen, jeden Monat bis zu 2000 Euro“, sagt der 41-jährige Gastronom, der Fisch-Schnellrestaurants („Fish & Chips“) in sechs Bahnhöfen betreibt, unter anderem an der Friedrichstraße. Und der auch im Terminal des BER in Schönefeld einen Laden eröffnen wollte. Acht Mitarbeiter hatte er dafür eingestellt und geschult. Seit Anfang Mai, als die Absage für den Eröffnungstermin 3. Juni kam, musste er sieben davon wieder entlassen.

Sein BER-Laden steht leer, die Technik steht ungenutzt herum, die Garantien laufen ab. „Damit haben wir nicht gerechnet, dass so etwas passiert“, sagt Klässig. Und von der gleich zu Beginn angekündigten „unbürokratischen Hilfe“ von Seiten der Flughafengesellschaft oder der Anteilseigner Berlin, Brandenburg und Bund sei nichts zu spüren. „Wir sind die Dummen“, sagt Klässig aufgebracht.

Ähnlich argumentieren andere der gut ein Dutzend Mittelständler aus der Region, die am und mit dem BER Geschäfte machen wollten. Der Chef der Askania-Uhrenmanufaktur, Leonhard Müller, sagt, sein Problem sei die fehlende Liquidität wegen der BER-Investitionen, wo Müller gleich zwei Läden eröffnen wollte.

Gut 200.000 Euro stecken darin, Umsätze gibt es keine. Als ihm die damalige Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz (parteilos, für CDU) anfangs empfahl, „formlos“ aufzuschreiben, was er an Hilfe brauche, klang das erst gut. Aber statt schnelle Hilfe zu bekommen, saß er plötzlich einem Mitarbeiter der landeseigenen Investitionsbank IBB gegenüber, der vom gestandenen Unternehmer aus Pforzheim erst einmal einen Lebenslauf sehen wollte – und Dutzende Formulare herüberreichte.

Die Grünen wollen die Problematik der BER-Mittelständler am Donnerstag im Parlament debattieren – und schlagen eine Ombudsstelle und einen Liquiditätsfonds vor, wie ihre Wirtschaftsexpertin Nicole Ludwig sagte.