Der neue Brunnen war für den Kleinen Tiergarten in Moabit zunächst gar nicht vorgesehen, weil der Bezirk für Schmuckstücke kein Geld hat. Die kleinen Wasserspiele sollen nun auf Wunsch von Anwohnern und als Erinnerung an die historische Gestaltung des Parks Ende der 1950er-Jahre zwischen der Straße Alt-Moabit und Turmstraße aber doch verwirklicht werden. Sieht man sich den Entwurf der Landschaftsarchitekten von Latz und Partner an, werden die Wasserspiele zur Attraktion im bislang eher öden und verkommenen Park werden. Gleich daneben befindet sich nämlich an der Stromstraße ein Café, dessen Terrassen erweitert werden können – mit Blick auf den neuen Brunnen.

Langgestrecktes Becken

Die Wasserspiele, das an der Stelle eines ehemaligen Wasserbeckens angelegt werden soll, ist gar nicht groß: Etwa 19 Meter lang soll es sein, aber nur 1,50 Meter breit. Wie Landschaftsarchitekt Michael Stegmeier von Latz und Partner sagt, wird es neun Fontänen erhalten. Gebaut wird es im alten Senkgarten, einem Bereich im östlichen Teil des Kleinen Tiergartens, der in den Jahren 2014 und 2015 umgebaut werden soll. Latz und Partner haben schon voriges Jahr den Ottopark umgestaltet, neue Rasenflächen wurden dort angelegt, Bänke aufgestellt, es entstanden Sportanlagen für Kinder. Und im Herbst wird der westliche Teil des Kleinen Tiergartens fertig. Zusammen sind die drei Parkteile 6,4 Hektar groß. Fördermittel in Millionenhöhe aus dem Programm „Aktive Stadtzentren“ stehen dafür zur Verfügung. Denn der Bezirk will die Turmstraße als Einkaufszentrum wiederbeleben und Moabit auch mit der Parkgestaltung für Investoren attraktiver machen. Am alten Hertie-Standort ist das geglückt. Das Haus wurde saniert, im Frühjahr haben neue Läden aufgemacht, auch Fahrrad-Lofts entstehen.

Für Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) war es allerdings schwierig, den Anwohnern die Umgestaltung der Parks zu erklären. Sie protestierten vor allem gegen Baumfällungen, im Ottopark musste der Bezirk die ersten Bäume unter Polizeischutz fällen. „Der Zustand des Parks ist nicht mehr zu akzeptieren. Sie sind verwildert und zugewachsen“, sagt Spallek.

Tatsächlich wurden die Grünanlagen jahrelang nicht gepflegt. Büsche engen die Wege ein, viele Bäume stehen zu dicht. Um die Sicherheit zu erhöhen, werden Hecken an den Parkrändern gerodet, damit man von den Straßen aus in die Parks sehen kann. Zudem werden die Zugänge großzügiger gestaltet und Wege erneuert. „Wir sorgen für mehr Luft, mehr Licht und mehr Sicherheit“, so Spallek.

Unsicher fühlt man sich derzeit vor allem am Senkgarten. Dorthin hat sich die Trinkerszene zurückgezogen, weil an ihrem bisherigen Treffpunkt am U-Bahnhof Turmstraße gebaut wird. Für sie entsteht an der Stromstraße ein neuer Unterstand, ähnlich wie am Leopoldplatz. „Die Probleme der Gesellschaft kann man aber nicht mit einer Parkgestaltung lösen“, sagt Landschaftsarchitekt Stegmeier.

Im östlichen Teil des Kleinen Tiergartens stehen die wohl umfangreichsten Bauarbeiten an. 100 meist wild gewachsene Bäume von insgesamt 380 Bäumen sollen gefällt werden, in den 1960er-Jahren gab es 250 Bäume. An den Straßen werden Sträucher entfernt. „Der Parkrand wird transparenter, ohne auf den grünen Rahmen zu verzichten“, sagt Stegmeier. Am Wasserspiel wird die historische Plattenstruktur erhalten. Das alte Seerosenbecken daneben wird aber nicht wiederhergestellt, sondern bepflanzt. Wie vom Landesdenkmalamt gewünscht, werden historische Sitznischen erhalten. Repariert wird die sogenannte Rolleracht. Man erkennt sie kaum noch. Es ist eine etwa 150 Meter lange Asphaltstrecke für Rollschuhläufer und Skater. Sie hat die Form einer Acht, im Zentrum steht eine Brücke.

Zur Gestaltung gehören auch die sogenannten Kiesel – große graue Betonskulpturen, die wie Felsen aussehen, man soll sich darauf setzen oder sich anlehnen. Latz und Partner haben sie schon im Ottopark installiert. Die Kritik, dass die Kiesel sinnlos seien, überrascht die Landschaftsplaner. Stegmeier hat beobachtet, dass die Besucher sehr wohl die Kiesel benutzen. „Sie sind ein Symbol für die Neugestaltung.“