Bus am Flughafen Tegel
Bild imago images / Jürgen Ritter

BerlinWer am Wochenende (9./10. November) in Berlin mit dem Flugzeug verreisen will, sollte sich auf Schwierigkeiten einstellen. Aktivisten haben angekündigt, dass sie an einem der beiden Berliner Flughäfen die Arbeitsabläufe stören wollen, um gegen die schädliche Auswirkungen des Luftverkehrs zu protestieren.

Geplant sei, den Betrieb eines Flughafens zu „blockieren“, teilte ein Sprecher der Initiative „Am Boden bleiben“ mit. „Die Aktion findet am Sonntag statt“, sagte er. Da Aktionen zivilen Ungehorsams „gewisse Überraschungselemente“ enthalten, könne zum genauen Zeitpunkt und zum Schauplatz der Protestaktion jetzt noch nichts mitgeteilt werden. Uhrzeit und Ort würden kurzfristig bekanntgegeben.

„Wir glauben, dass es störende Formen des Protests braucht, da die regelkonformen schon viel zu lange ignoriert wurden“, heißt es im „Aktionskonsens“ der Initiative, die ein Ableger des weltweiten Netzwerks „Stay Grounded“ ist. „Wir glauben fest daran, dass wir einen Schritt weiter gehen müssen, um die notwendigen Veränderungen hin zu einer klimagerechten Lebensweise herbeizuführen. Deshalb werden wir bewusst Regeln brechen, um auf die Missstände der Klimakatastrophe hinzuweisen“, so die Aktivisten.

Der BER soll geschlossen bleiben

„Die coolsten Vögel bleiben am Boden“, lautet das Motto. Bestehende Flughäfen müssten zurückgebaut werden, Bau und Ausbau von Airports umgehend gestoppt werden, ist eine der Hauptforderung. Ginge es danach, dürfte der BER in Schönefeld nicht öffnen. Gefordert wird auch die Streichung von Inlands- und Kurzstreckenflügen, eine Reduktion bei Mittel- und Langstreckenflügen sowie die Abschaffung von Bonusprogrammen und Subventionen.

Der geplante Protest richte sich gegen die Flugindustrie, gegen klimaschädliche Politik und gegen die „unhinterfragte Normalität des Fliegens“, so der Aufruf zu der Aktion am Wochenende in Berlin. Flugreisen gefährdeten Ökosysteme und Menschenleben. Ein Flug von Frankfurt am Main nach San Francisco lasse rund fünf Quadratmeter Eis schmelzen – pro Passagier. Außerdem seien Flughäfen „Orte der Diskriminierung, Überwachung, Kontrolle und Ausgrenzung“, so weitere Kritik.

Sicherheit geht vor - kein Vandalismus

Die Aktivisten legen Wert auf die Feststellung, dass die Sicherheit aller Beteiligten für sie oberste Priorität besitzt. „Unsere Aktion richtet sich nicht gegen einzelne Flugreisende, die Flughafenmitarbeitenden oder die Polizei, sondern gegen die Luftfahrtindustrie und die Politik, die deren Macht und Profitinteressen erhält und unterstützt“, betonten sie. „Wir werden deswegen keine Flugpassagiere an ihren Reisen hindern.“ Außerdem solle es keine Zerstörung und Beschädigung materieller Infrastruktur geben.

Ob und in welchem Maße es am Sonntag in Berlin tatsächlich zu Flugausfällen und Verspätungen kommen wird, ist noch nicht absehbar. Offensichtlich gehe es bei der Aktion vorrangig darum, „optische Signale“ zu setzen, sagte eine Beobachterin. „Wir wollen Leute nicht am Fliegen hindern“, sei offenbar die Devise.
Zwar hatten Aktivisten angesichts der Diskussion über die Erderhitzung weltweit immer wieder angekündigt, den als besonders klimaschädlich geltenden Luftverkehr zu stören. Doch bislang kam es deshalb nicht zu Betriebsunterbrechungen – auch nicht, nachdem Extinction Rebellion angekündigt, den London City Airport lahmzulegen.

Umweltverband BUND lobt die Klima-Aktivisten

Die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) teilte im Oktober mit, dass sie sich mit den Sicherheitsbehörden austausche. "Wir bereiten uns auf die Proteste vor und sprechen mit den zuständigen Behörden", sagte ein Sprecher. Er betonte aber auch, dass Fliegen kein Selbstzweck sei. Die Verbindung Berlin-Nürnberg zeige, dass ein attraktiver Bahnverkehr dazu führen könne, dass auf innerdeutsche Flüge verzichtet wird.

Lob für die Klima-Aktivisten von „Am Boden bleiben“ kam am Mittwochmorgen vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). „Die Aktion setzt ein Signal gegen den Klimakiller Luftverkehr“, so Tilmann Heuser, Geschäftsführer des Landesverbands Berlin. „Tatsächlich fehlt weiterhin ein klimagerechtes Luftverkehrskonzept, auch für Berlin und Brandenburg.“

Dies habe der BUND Berlin bereits 2016 und dann wieder im Rahmen der Diskussion über den Weiterbetrieb des Flughafens Tegel eingefordert. „Eine Diskussion über Grenzen des Wachstums des Luftverkehrs ist weiterhin überfällig – nicht nur im Hinblick auf das Klima, sondern auch bezogen auf den Fluglärm“, mailte Heuser, der gerade von Berlin nach Köln unterwegs war – mit der Bahn.
Der Grünen-Umweltpolitiker Georg Kössler erwartet weitere Protestaktionen an Flughäfen. „Aktionen den zivilen Ungehorsam gehören zu einer Demokratie, und in Zeiten der Klimakrise wird dies realistisch gesehen auch nicht die letzte Flughafenblockade sein", sagte der Abgeordnete. "Gut so, denn damit wird Aufmerksamkeit geschaffen. Gerade unnötige Inlandsflüge sollten von Berlin nicht mehr angeboten werden. Der Berliner Senat muss sich im Rahmen der FBB noch stärker für eine ökologischere Gebührenordnung einsetzen.“

Die Blockade eines Flughafens hat aber eine deutlich andere Qualität als die vorübergehende Besetzung einer Straßenkreuzung. Wir brauchen mehr kreative Aktionen für Klimaschutz, der totale Stillstand eines (noch) wichtigen Verkehrsknotens unserer Stadt gehört für mich nicht dazu.

Daniel Buchholz, umweltpolitischer Sprecher der Berliner SPD

Die Berliner SPD reagierte dagegen skeptisch. „Wir als Berliner SPD-Fraktion stehen klar für eine ökologisch faire Besteuerung des Flugverkehrs und den Wegfall aller innerdeutschen Flüge. Ich bin selbst regelmäßig bei den großen Klima-Demos dabei, denn wir müssen jetzt umsteuern und die Klimakrise aufhalten", sagte Daniel Buchholz, der umweltpolitische Sprecher. "Die Blockade eines Flughafens hat aber eine deutlich andere Qualität als die vorübergehende Besetzung einer Straßenkreuzung. Wir brauchen mehr kreative Aktionen für Klimaschutz, der totale Stillstand eines (noch) wichtigen Verkehrsknotens unserer Stadt gehört für mich nicht dazu.“

Ein Flugkapitän aus Berlin kritisierte die geplante Protestaktion. "Die Jugendlichen hier in Deutschland vergessen immer, das unser Land ein Bruchteil der Welt darstellt. Den Flugverkehr in Berlin einzustellen ist wie einer Badewanne einen Teelöffel voll Wasser zu entnehmen", sagte er. Diesx habe keinen Einfluss auf die Klimabilanz. Dagegen habe der Luftverkehr einen großen wirtschaftlichen Einfluss. "Ohne Mitwirkung der großen Länder wie China, Indien, USA und Russland bleiben Bestrebungen kleiner Länder wie Deutschland im Sande stecken. Im Grunde sollen diese 'Aktivisten', die in Wahrheit ganz andere Ziele verfolgen, ruhig stören. Sie verlieren damit ihre Sympathie und Zustimmung in weiten Bevölkerungskreisen."