Heinrich Strößenreuther gibt nicht auf.
Foto: Markus Wächter

BerlinMan muss sich Heinrich Strößenreuther als einen radelnden Menschen vorstellen. Jeden Tag ist er unterwegs, mal mehr, mal weniger als zwanzig Kilometer. Wer sich nur gelegentlich mit dem Fahrrad durch Berlin bewegt, weiß, dass Strößenreuther zu einer Risikogruppe zählt. 

Zwischen Autos und Bussen, zwischen Ampeln und Baustellen lauern Gefahren, tobt ein Straßenkampf, gilt das Recht des PS-Stärkeren. Elf Radfahrer starben 2018 in dieser Stadt, mehr als 700 wurden schwer verletzt. In diesem Jahr gab es bislang sechs Tote.

Vor allem aber muss man sich Strößenreuther, 51, als einen ungeduldigen Menschen vorstellen. Es geht ihm nicht schnell genug mit der Verkehrswende; es ist einfach zu wenig, was von der Politik getan wird, um die Straßen zu befrieden. Also ist er aktiv geworden; hat 2014 eine App entwickelt, mit der man Falschparker beim Ordnungsamt melden konnte; hat 2016 den Volksentscheid Fahrrad initiiert; hat im vergangenen März ein Buch veröffentlicht, in dem steht: „Verkehrswende ist nichts für Feiglinge.“ Der Mut hat Strößenreuther nicht verlassen. Im Gegenteil.

Das Maßnahmenpaket reicht ihm nicht aus

Die meisten kennen Strößenreuther als den nervigen Fahrradaktivisten im Anzug, doch er hat das Ganze im Blick, ist auch Vorstand des Vereins German Zero, der verspricht: „Wir machen Deutschland innerhalb von zehn Jahren klimaneutral – schnell, wirksam, fair.“

In einem am Dienstag vorgestellten Plan heißt es: „Das Klimaschutzpaket der Bundesregierung reicht nicht aus, um Schaden von heutigen und künftigen Generationen abzuwenden.“ Das sollte bald eine mehrheitsfähige Meinung sein.

German Zero macht konkrete Vorschläge, was die Regierung besser machen könnte in den Bereichen Energie, Wohnen und natürlich Verkehr; der Verein fordert massive Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr.

Die Kosten aller Maßnahmen? Können nicht beziffert werden. Es gilt die grundsätzliche Rechnung: Klimaschutz kostet weit weniger als die Schäden, die die „drohende Klimakatastrophe anrichten würde“.

Eine andere Rechnung geht so: Bis 2035 muss Heinrich Strößenreuther noch 109.860 Kilometer auf Berlins Straßen überleben.