Berlin: Der Gendarmenmarkt wird mehr als zwei Jahre lang Großbaustelle

Vor 13 Jahren begannen die ersten Planungen, nun startet der klimagerechte Umbau, so der Senat. Auf dem Platz werden Bäume gefällt – aber nicht alle.

So soll der Gendarmenmarkt in Mitte nach der Umgestaltung aussehen. Links der Deutsche Dom, rechts das Konzerthaus. Auch künftig wird Natursteinpflaster das Bild prägen – aber barrierefrei.
So soll der Gendarmenmarkt in Mitte nach der Umgestaltung aussehen. Links der Deutsche Dom, rechts das Konzerthaus. Auch künftig wird Natursteinpflaster das Bild prägen – aber barrierefrei.Simulation: Grün Berlin GmbH/Bloomimages

Er gilt als einer der schönsten Plätze in Berlin. Jetzt wird ein großer Teil des Gendarmenmarkts in Mitte zur Baustelle und komplett gesperrt – mehr als zwei Jahre lang. Die denkmalgeschützte Anlage wird saniert und klimagerecht umgebaut, teilten der Senat und das landeseigene Unternehmen Grün Berlin am Mittwoch mit. „Die Arbeiten sollen bis Ende 2024 dauern“, sagte Silke Karcher (Grüne), Staatssekretärin für Umwelt und Klimaschutz. Dabei werden auch knapp zwei Dutzend Bäume gefällt.

Zersprungene Granitplatten, Lücken im Mosaikbelag, mit Asphalt geflickte Löcher– und bei Veranstaltungen bilden Kabel Stolperfallen. Lange ist klar: Der Gendarmenmarkt, der zuletzt von 1976 bis 1984 erneuert worden war, braucht eine Sanierung. „2009 gab es erste Überlegungen, bis 2011 fand eine Bürgerbeteiligung statt“, so die Staatssekretärin. 2015 übernahm der Senat nach längeren Kontroversen das Projekt vom Bezirk.

Ein Bagger auf dem Gendarmenmarkt. Auf dem Platz in der historischen Mitte haben erste Arbeiten begonnen.
Ein Bagger auf dem Gendarmenmarkt. Auf dem Platz in der historischen Mitte haben erste Arbeiten begonnen.Berliner Zeitung/Markus Wächter

Noch im Oktober sollen auf dem rund 300 Jahre alten Platz, der sich rund um das Konzerthaus, den Deutschen und Französischen Dom erstreckt, die Arbeiten beginnen. Zunächst wird untersucht, ob im Boden Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg schlummern. Im November soll dann damit begonnen werden, das Pflaster zu entfernen. Das Baufeld umfasst rund 14.000 der insgesamt 19.000 Quadratmeter, sagte Christoph Schmidt, Geschäftsführer von Grün Berlin. Die verbleibenden 5000 Quadratmeter seien einem weiteren Bauabschnitt vorbehalten, erklärte er.

„6000 Tonnen Natursteinpflaster muss ausgetauscht werden“, so Schmidt. Die Ausschreibungen sehen vor, dass die künftigen Steine aus regionalen Quellen stammen sollen – zum Beispiel aus schlesischen Steinbrüchen, aber möglichst nicht aus Asien. Die zukünftige Gestaltung des Platzes mit Mosaikpflaster und Platten werde sich am jetzigen Design orientieren, bekräftigte der Ingenieur für Landschaftsarchitektur.

Regenwasser versickert künftig im Boden

Doch bei dem bisher aus 20 Millionen Euro taxierten und vom Bund geförderten Projekt in der historischen Mitte von Berlin gehe es nicht nur um die Decke des Platzes, der weiterhin Fußgängern vorbehalten bleibt, hieß es. Auch die Infrastruktur werde erneuert, sagte Silke Karcher. Schließlich ist der Gendarmenmarkt auch ein beliebter Ort für Veranstaltungen – für einen Weihnachtsmarkt und das Classic Open Air.

Um die künftige Nutzung zu erleichtern, werden 29 unterirdische Stromanschlüsse gelegt, sagte Schmidt. Es müssen also keine Strippen oder Kabelbrücken mehr auf dem Pflaster verlegt werden.  Die neue Technik beschleunige außerdem den Aufbau von Bühnen und Buden, hieß es. Hinzu kommen rund 50 versenkbare Trink- und Schmutzwasseranschlüsse. Drei Kilometer Stromkabel, 1120 Meter Abwasser- sowie 737 Trinkwasserleitungen werden neu verlegt, hieß es weiter.

Noch tiefer unter dem Gendarmenmarkt wird es ebenfalls neue Technik geben, so Silke Karcher. Schwammstadt Berlin: Das ist das aktuelle Stichwort für den künftigen Umgang mit den rund acht Millionen Litern Regenwasser, die pro Jahr im Schnitt auf den Platz fallen. Derzeit landet es in der Kanalisation, künftig wird es unterirdisch gereinigt und fließt dann in unterirdische Pufferspeicher mit Kies, Rigolen genannt. Von dort aus versickert das Wasser – und speist so das Grundwasser, hieß es.

Ein Fußgänger auf dem Gendarmenmarkt. Das künftige Pflaster soll aus Steinbrüchen im Umkreis von Berlin stammen, kündigt Grün Berlin an. Allerdings werden erst mal nur 14.000 der 19.000 Quadratmeter saniert.
Ein Fußgänger auf dem Gendarmenmarkt. Das künftige Pflaster soll aus Steinbrüchen im Umkreis von Berlin stammen, kündigt Grün Berlin an. Allerdings werden erst mal nur 14.000 der 19.000 Quadratmeter saniert.Berliner Zeitung/Markus Wächter

„Wir werden unsere Innenstädte für den Klimawandel rüsten – auch unsere historischen Zentren“, sagte Klimaschutzsenatorin Bettina Jarasch (Grüne). „Mit den nun startenden Umbauten kommt ein Stück Schwammstadt nach Mitte zum geschichtsträchtigen Kulturort am Gendarmenmarkt. Das ist eine gute Blaupause für weitere klimaresiliente Umgestaltungsmaßnahmen in der Stadt. Wir werden Plätze künftig generell so gestalten, dass das Regenwassermanagement vor Ort funktioniert.“

Weihnachtsmarkt und Classic Open Air ziehen auf den Bebelplatz

Die Markgrafen- und Charlottenstraße bekommen Zufahrten zur Baustelle, sie werden aber nicht gesperrt, sicherte Christoph Schmidt zu. Doch beim Bewuchs werde es Änderungen geben. 23 Kugelahornbäume, die zu DDR-Zeiten gepflanzt worden sind, müssen gefällt werden, sagte er. Sie werden ersetzt durch drei japanische Schnurbäume mit großer Krone – von 18 Meter Durchmesser ist die Rede.

Die Kugelahorne, von denen es rund 140 gibt, waren bei der Diskussion mit den Bürgern ein großer Streitpunkt. Ursprünglich sollten alle gefällt und durch größere Bäume ersetzt werden. Doch Bürger und der Verein Freunde und Förderer Gendarmenmarkt Berlin liefen Sturm. Die jetzt zur Fällung vorgesehenen Bäume ließen sich nicht erhalten – unter anderem weil der Platz etwas abgesenkt werden muss, damit er barrierefrei wird, hieß es.

Solange der Gendarmenmarkt gesperrt ist, kann er kein Veranstaltungsort sein. Doch für den „Weihnachtszauber“ und das Classic Open Air gibt es eine Lösung. Der Bezirk Mitte bietet den Bebelplatz als mögliches Ausweichquartier an, hieß es. Er hatte zunächst gefordert, weiterhin Veranstaltungen vor dem Konzerthaus zu ermöglichen. Doch das hätte das Projekt komplizierter und teurer gemacht. Es ist auch so schon kostspielig genug. Vor einigen Jahren hatte man noch mit zehn Millionen Euro gerechnet.